Working Goats Blog

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Im oben genannten Podcast wird noch eine zweite, sehr aufschlussreiche Äusserung gemacht. Verhalten wird mit mit einem MP3-Player verglichen:


Ein MP3-Player oder heutzutage eher ein Iphone hat beim Kauf ein begrenztes Repertoire von bereits aufgespielten, kostenlosen Liedern. Ich mag evtl. von vier vorhandenen Liedern drei überhaupt nicht und das vierte einigermassen.


Welches Lied = Verhalten werde ich wohl am häufigsten spielen?


Ähnliches sehen wir bei Tieren.


Verhalten ist selbst erhaltend durch Bestärkung und durch eingeschränktes Repertoire. Es gibt diesen Spruch "Immer die gleiche Leier" - und ist es nicht interessant, dass ein monotones Verhalten schon seit langer Zeit mit einem eingeschränkt nutzbaren Musikinstrument verglichen wurde?.


Gehen wir etwas mehr in die Praxis.


Eine Ziege kommt mit einem begrenzten Repertoire an natürlichem Verhalten auf die Welt. Dies sind Fähigkeiten, die sich über Jahrmillionen als erfolgreich für das Überleben der Spezies und des Einzeltieres gefestigt haben. In diesem Selektionsprozess war das Zusammenleben mit Menschen nicht eingeplant und vielleicht werden wir in ein paar hundert oder tausend Jahren Ziegen haben, die - aufgrund des Selektionsdruckes durch Hobbyhalter - eine bessere Interaktionsfähigkeit mit Menschen haben.


Bislang wurden Ziegen für andere Dinge selektiert, wie hohe Milchleistung oder schneller Fleischansatz oder weiche Wolle.


Ein Ziegenlamm lernt durch Spiel mit Altersgenossen und Interaktion mit Erwachsenen Verhalten, die sein Überleben sichern. Dazu gehört Hornstossen. Hornstossen liefert Zugang zu Resourcen: Wasser, wenn dieses knapp ist, Sexualpartner. In der Haltung durch Menschen auch Zugang zu Futter, wenn dieses nur begrenzt = Raufen, zugeteilte Futtermengen, Kraftfutter verfügbar ist.


Das Lamm spielt also für den Zugang zu Resourcen immer das gleiche Lied auf seinem Verhaltens-MP3-Player. Es ist daher eigentlich wenig verwunderlich, wenn es in der Interaktion mit einem Vertreter einer fremden Spezies = Mensch, auch auf dieses Verhalten zurückgreift, wenn es um Resourcen geht.


Es kann nicht anders, weil es noch kein alternatives Verhalten für Zugang zu Resourcen im Umgang mit Angehören einer fremden Spezies GELERNT hat!


Das Lamm ist nicht dominant, es hat allerdings dominantes VERHALTEN gelernt. Und jetzt liegt es an uns Menschen, ihm alternative Verhalten zu lehren, die ihm Zugang zur gewünschten Resource geben mit einem von uns bevorzugten Verhalten. Ich muss auf den MP3-Player weitere Lieder hochladen. Und, wie das immer im Leben so ist, diese Lieder = Verhalten, sind nicht mehr kostenlos (weil angeboren), sondern kosten etwas, nämlich Zeit und Training.


Was ist die Crux, wenn ich während des Trainings weiterhin der Dominanztheorie anhänge?


Ich vergeude wertvolle Zeit damit, mir Strategien auszudenken, wie ich die Ziege "auf ihren Platz verweisen kann!", ihr zu zeigen "wer der Chef ist!", dass sie "damit, nicht durchkommt!" (was genau ist eigentlich dieses "Damit"?). Das heisst, ich konzentriere mich auf das Unterdrücken von unerwünschtem Verhalten ohne zu trainieren, was ich statt dessen sehen will.


"Nature abhors a vacuum" - Mr. Spock in "Star Trek VI - Das unentdeckte Land" sagt das - die Natur verabscheut ein Vakuum.


Unterdrücke ich unerwünschtes Verhalten, wird ein anderes Verhalten den leeren Platz einnehmen. Ein Tier kann nicht sich nicht benehmen - es sei denn, es ist tot. Durch Verbote liefere ich jedoch keine Information, welches Verhalten erfolgreich sein könnte. Ich liefere nur Frustration und Angst und Unsicherheit.


Diese drei Emotionen sind jedoch Basis für eine andere Emotion, nämlich Aggression. Und wie aggressives Ziegenverhalten aussieht, wissen wir auch  - Hornstossen. Und wie Angstverhalten aussieht, wissen wir auch - Weglaufen.


Und damit sind wir, nach all dem Unterdrücken an einem Punkt, wo wir noch mehr unerwünschtes Verhalten sehen werden: bei einer Ziege, die entweder noch mehr mit den Hörner stösst oder vor uns wegläuft.


Beide Partner der Beziehung verlieren, wenn der menschliche Partner sich auf ein Konstrukt - die Dominanztheorie - versteift, das mittlerweile widerlegt wurde.


Wer sich den podcast anhören möchte oder die Argumente gegen die Dominanztheorie im Detail lesen möchte, sind hier die jeweiligen links


Dominanztheorie widerlegt
https://apdt.com/resource-center/dominance-and-dog-training/?fbclid=IwAR0JDWNN-hzBIzVn3-rptMV5TqzHG8rUlqpUdgVbgZkGZvRYvkd3pHa3e6c


Podcast
https://www.equiosity.com/single-post/2018/11/21/Episode-36-A-Conversation-with-Cindy-Martin-Part-2-Dominance-Defined?fbclid=IwAR1_ewFIWuX82b7PWfl-lJtgD-KMsuo6YBd16WEsxoha4rZ7m3_hkEBpXhI

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