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"Zeig' ihm, wer das Sagen hat!"


Nicht nur in der Hunde- und Pferdewelt, auch in der Ziegenhaltung und besonders unter Hobbyhaltern, für die Ziegen mehr als Fleisch- und Milchlieferanten sind, findet sich diese Äusserung immer wieder.

Und eigentlich ist das schade! Als Hobbyhalter suchen wir den Kontakt zur Ziege selbst, nicht den Nutzen, der uns Milch oder Fleisch liefern würde.


Warum ist das schade?


Weil auch Ziegenhalter der Dominanztheorie weiterhin "aufsitzen", die seit Jahrzehnten fast unreflektiert in allen Bereichen des Tiertrainings und der Hobbytierhaltung wiederholt und weiter gegeben wird.


Angeregt durch einen podcast von Equiosity.com, habe ich mich heute mal dran gesetzt, ein bisschen mit der Dominanztheorie in der Ziegenhaltung aufzuräumen.
Und ja, auch ich bin jahrelang diesem "zeig' ihm, wer das Sagen hat!" und "das kannst Du nicht durchgehen lassen!" gefolgt - ich wusste es nicht anders bzw. besser.

Was ist Dominanz? Dieser Begriff stammt ja von irgend wo her und existiert nicht in luftleerem Raum.


Dominanz ist, nach der Definition von Ethologen = Verhaltensforschern:


"Dominance comes into play in a relationship between members of the same species when one individual wants to have the first pick of available resources such as food, beds, toys, bones, etc. Even between dogs, however, it is not achieved through force or coercion but through one member of the relationship deferring to the other peacefully. "


Übersetzt:
"Dominanz kommt in's Spiel in der Beziehung zwischen Mitgliedern der gleichen Spezies, wenn ein Individuum bevorzugten Zugang zu vorhandenen Resourcen, wie Futter, Bett (hier wird über Hunde gesprochen, für Ziegen wären das Liegeplätze), Spielzeug, Knochen (Leckerli), usw. Auch unter Hunden wird dies jedoch nicht durch Zwang oder Nötigung erreicht, sondern dadurch, dass ein Mitglied der Beziehung sich dem anderen friedlich unterordnet."


Der wichtige Teil in dieser Aussage ist "Mitglieder der gleichen Spezies". Dominanz findet nicht zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Spezies statt. Und es geht immer um Zugang zu Resourcen.


Denn, so geht es weiter:
” Dogs are often described as being “dominant” which is an incorrect usage of the term. Dominance is not a personality trait. Dominance is “primarily a descriptive term for relationships between pairs of individuals.”


"Hunde (Ziegen) werden oft als "dominant" beschrieben, was eine inkorrekte Verwendung des Begriffes ist. Dominanz ist kein Persönlichkeitsmerkmal. Dominance ist im Wesentlichen eine beschreibender Begriff für Beziehungen zwischen aus Individuen gebildeten Paaren."


Ich gehe etwas später noch in Beispielen aus der Ziegenwelt auf vermeintlich dominante Tiere ein und was zu deren Verhalten führt.

Aber zurück zu der letzten Aussage: "Dominanz ist kein Persönlichkeitsmerkmal".


Warum ist das wichtig? Wenn ein Tier als dominant bezeichnet wird, dann bewegt sich die Argumentation für Gründe, warum sich ein Tier so und so verhält, im Kreis (s. Susan Friedman - "unlabel me").


Ein Beispiel:
Der Bock stösst mit den Hörnern!
Warum? - Weil er dominant ist!
Woher weiss ich, dass er dominant ist?
Weil er mit den Hörnern stösst!
Warum stösst er mit den Hörnern?
Weil er dominant ist!


Solch ein Kreis-Argument bringt uns als Trainer nicht weiter, weil es keine Lösung liefert. Wenn ein Tier grundlegend dominant ist, dann ist das ein Zustand, der nicht geändert werden kann, wie die Farbe des Fells oder  die Tatsache, dass Ziegen vier Beine haben.


Im Training ziele ich aber darauf ab, Verhalten zu  beeinflussen. Ich möchte entweder ein erwünschtes Verhalten häufiger sehen oder ein unerwünschtes Verhalten weniger oft. Versteife ich mich jedoch darauf, dass Dominanz etwas Angeborenes und/oder fest verankertes ist, dann kann ich hier nichts beeinflussen.


Betrachte ich Dominanz jedoch als einen beschreibenden Begriff für die Beziehung zwischen Individuen, dann habe ich Möglichkeiten, die Beziehung (und somit das Verhalten der Individuen) zu ändern.

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