Working Goats Blog

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Was mache ich? Als erstes, dieses „Nein“ der Ziege ist kein Fehler und auch kein Weltuntergang. Es ist schlichtweg Information für mich als Trainer, dass schon der Anblick der Klauenschere für die Ziege so aversiv ist, dass sie damit – im Moment – nichts zu tun haben will.

Ich gehe in so einem Fall also zurück im Training und verlasse erst mal das Training des Kooperationssignals, weil ich zuerst die Klauenschere „entgiften“ muss. Anstatt eine unangenehme Prozedur anzukündigen, muss die Klauenschere eine Ankündigung für etwas Tolles und Leckeres – im Falle unserer Ziege ist das Futter – werden.

Hierzu nutze ich klassische Gegenkonditionierung und verknüpfe den Anblick der Klauenschere mit Futter.

Klauenschere zeigen, Futterbelohnung (kein Click). Dies wiederhole ich mehrmals, bis ich erkennen kann, dass die Ziege den Anblick der Klauenschere nicht mehr als furchteinflössend empfindet.

Nun kann ich zurück zum Kooperationssignaltraining und dem Target.

  • Ziege berührt Target, ich präsentiere die Klauenschere, Ziege bleibt am Target, C+B

Nach diesem Schema nähere ich mit immer mehr dem hochnehmen der Beine an, bis ich schliesslich zum Klauenschneiden komme. Wann immer ich unterbreche, warte ich das „OK, bin soweit“ der Ziege ab, bevor ich weitermache.

Wichtig beim Kooperationssignal ist, dass ich das „Nein“, das gelegentlich kommen wird, akzeptiere. Die Ziege hat die Kontrolle darüber, ob sie eine leicht unangenehme Situation aushalten möchte für Futterbelohnung oder ob sie ohne Futterbelohnung das Training unterbrechen möchte.

In den meisten Fällen wird sich bei langsamem Vorgehen die Ziege für die erste Option entscheiden und ab dann beim Klauenschneiden mitarbeiten. Übergehe ich das „Nein“, verliert die Ziege das gewonnene Vertrauen in die etablierte Kommunikation mit mir und ich mache einen langen Trainingsprozess zunichte. Meistens zeigt ein „Nein“, wenn es nur noch gelegentlich auftritt, sogar an, dass mit der Ziege etwas nicht in Ordnung ist. Sie könnte z.B. Schmerzen haben, die durch ein hoch nehmen eines Beines verschlimmert werden.

Wer bis hierher aufmerksam mitgelesen hat, wird bemerken, dass im oben beschriebenen Trainingsszenario die Wahlmöglichkeiten der Ziege durchaus auf "Kooperation und Futter" oder "keine Kooperation und kein Futter" begrenzt wurden. Das hatte ich noch weiter oben ja mit möglichen Stressoren verbunden und das ist auch richtig so.

Idealerweise lehrt man die Tiere, dass auch ein "Nein" mit einem gleichwertigen (!) Bestärker belohnt wird. Aber das ist schon wirklich fortgeschrittenes Training und ich möchte die Blogleser nicht zu sehr überfordern.

Wer mit Kooperationssignalen experimentieren möchte, kann anfänglich mit den oben beschriebenen zwei Optionen beginnen. Die Ziege gut beobachten und den Trainingsaufbau so gestalten, dass man zu 99,9% ein "Ja" bekommen kann und die "Nein's" sich im Promillebereich bewegen. Wer häufig ein "Nein" bekommt, sollte diese Information dazu nutzen, das eigene Vorgehen und den Trainingsaufbau zu überprüfen, ob man zu hohe oder nicht nachvollziehbare Kriterien angesetzt hat oder ggfs. die Ziege noch andere Verhalten VORAB lernen muss, bevor sie das gewünschte Verhalten fehlerfrei zeigen kann.

Bleiben wir beim Beispiel Klauenschneiden:

Wenn meine Ziege nicht still am Target stehen kann, dann fehlt ihr evtl. die Grundübung "ruhiges Stehen am Target". Wenn sie auf Berührung ausweicht, muss ich evtl. erstmal Berührung durch mich mittels klassischer Konditionierung positiv besetzen. Vielleicht hat sie sogar Angst vor Menschen und braucht erstmal ganz viel Annäherungstraining.

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