Working Goats Blog

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Wer die Wahl hat.......

Es geht weiter mit mehr Lern- und Verhaltenstheorie. Dieser Blog ist vor allem hilfreich bei scheuen Tieren und/oder bei Prozeduren/Situationen, die potentiell unangenehm oder angsteinflössend sind.

Kontrolle und Wahl sind primäre Verstärker!

Moment, werden jetzt viele sagen, wie kann ich meiner Ziege Kontrolle über eine Situation geben, die wird doch nie im Leben zu etwas „ja“ sagen, was ihr Angst macht oder unangenehm ist.

Doch, das geht. Und die Tatsache, dass die Ziege Kontrolle über eine Situation bekommt, die nicht 100% positive Konsequenzen hat (oder vielleicht auch „nur“ anstrengend ist), ist ein grosser Bonus beim Training.

Hier muss ich etwas ausholen, weil neben dem grossen Komplex „Wahl und Kontrolle“ nun auch ethische Fragen aufkommen zum Thema „Stress und Futterbelohnung“.

Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich abgehoben. Das kommt davon, wenn man sich fortbildet 😊

Wenn ich mit Futter belohne, vor allem mit hochwertigem Futter, kann ich mit einem hochmotivierten Tier an einen Punkt kommen, wo das Tier eine unterschwellige Furcht und/oder leichten Stress mit einer Situation oder einem Trainingsaufbau ignoriert, um sich weiter das Futter zu verdienen.

Man könnte das ignorieren, aber die Emotion, die ein Tier in einer Trainingssituation empfindet, wird mit dem Signal verknüpft, so dass wir zukünftig dann auch dieses Unbehagen als „Hintergrundgeräusch“ im Verhalten haben werden. Daraus kann sich langfristig ein Meideverhalten entwickeln, das den Trainingserfolg zunichte macht. Mal davon abgesehen, dass unsere Ziege immer wieder Stress ausgesetzt wird.

Nun kann man aber im Leben nicht alles Unangenehme vom Tier weghalten bzw. gibt es Umweltkonstellationen, wo die Tiere lernen müssen, mit Angstreizen umzugehen. Schon allein Spaziergänge, auf denen wir Hunden begegnen, gehören dazu. Es ist auch durchaus lebensnotwendig, eine gewisse „Widerstandskraft“ gegen Stress und nicht optimale Lebenssituationen zu entwickeln – das Gehirn muss das aktiv lernen – um nicht irgendwann mal mehr oder weniger lebensuntauglich dazu stehen. Das gilt für Menschen und für Tiere. Aber zurück zum Thema „hochwertige Futterbelohnung und Stress“!

Füge ich der Futterbelohnung eine Möglichkeit für das Tier hinzu, Kontrolle (oder den Anschein von Kontrolle) über die Situation zu haben, wählen zu können, ob es weiter mit macht oder nicht, dann bekomme ich zu einem überwältigenden Anteil das gewünschte Verhalten. Und das Tier hat weniger Stress, weil seine Wahlmöglichkeiten nicht nur auf "dableiben, auch wenn ich mich unwohl fühle und Futter verdienen" oder "ich gehe, weil ich es nicht aushalten kann, bekomme aber kein Futter" beschränken.

Auf jeden Fall werden wir häufiger eine willige Kooperation sehen, als wenn ich nur mit Futter belohnen würde. Wer mit Eimer belohnt, hat das vielleicht schon erlebt: die Ziegen folgen aber ab einem bestimmten Reizlevel „zieht“ der Eimer nicht mehr.

Ich habe im vorigen Abschnitt geschrieben „den Anschein von Kontrolle“. Es geht, auch beim Training mit sog. Startknopf- oder Kooperationssignalen (in Englisch Start-Button) nicht darum, dem Tier in jeder Lebenslage 100% Kontrolle zu überlassen. Hier muss man den eigenen, gesunden Menschenverstand einschalten und abwägen, wieviel Kontrolle möglich und SICHER ist. Das ist zu vergleichen mit einem Kleinkind, das man an einer viel befahrenen Strasse auch nicht unbeaufsichtigt laufen oder rennen lässt. Man kann diesem Kind aber einen Anschein von Kontrolle über die Situation ermöglichen, indem man akzeptables Verhalten anbietet, wie z.B. anstelle von „an die Hand nehmen“, falls dem Kind das unangenehm ist, eine Kontrolle über ein Lauflerngeschirr.

Schon allein die Möglichkeit, dass eine Wahl, wenn auch nur zwischen wenigen Alternativen besteht, erhöht das Gefühl, Kontrolle über eine Situation zu haben und somit ein Gefühl von Sicherheit, enorm.

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