Working Goats Blog

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Neue Dinge allerorten

Keine Sorge, das ist kein toter Freddie, sondern ein Freddie, der im feuchten Sommer 2017 einen warmen Tag geniesst.

Ich habe nicht viel geschrieben in den letzten Monaten.

Was ich gemacht habe, war, mich fortzubilden und das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen.

Im Winter begann ich mit einem Online-Kurs bei Karolina Westlund, einer schwedischen Ethologin (Verhaltensforschung bei Tieren), die Verhaltensanalysen und positive Bestärkung im Umgang mit Zootieren lehrt und als Beraterin für zoologische Gärten die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse begleitet.

Karolina bietet mittlerweile vier online-Kurse an:

  • Emotionen bei Tieren:
    Fundations – ein Basiskurs, der jederzeit belegt werden kann
    Animal Emotions – ein mehrwöchiger Kurs, der nur ein paar Mal im Jahr angeboten wird, weil Karolina dann persönlich betreut.

     
  • Positive Bestärkung:
    Getting Behaviour – ein Basiskurs über Verhalten, Training und angewandte positive Bestärkung. Auch dieser Kurs wird von Karolina persönlich betreut und findet nur ein paarmal pro Jahr statt.
    Advanced Animal Training – der Fortgeschrittenenkurs für positive Bestärkung, der dann auch wirklich „abgehobene“ Dinge, wie Konzepttraining, usw. anspricht und die Grundlagen, die im Getting Behaviour“-Kurs besprochen werden, noch weiter vertieft.
    ein dritter Kurs über Training bei Problemverhalten ist in Arbeit

Der einzige „Nachteil“ ist, dass die Kurse nur in Englisch (wenn auch mit englischen Untertiteln) verfügbar sind. Und man muss sich schon einige Wochen auf den Hosenboden setzen. Denn gerade beim Getting Behaviour Kurs gibt es Haus- und Trainingsaufgaben, um das Gelernte in der Praxis zu üben. Daran habe ich direkt den Advanced Animal Training Kurs angehängt und zwischendrin auch noch den Fundations Kurs über Emotionen bei Tieren abgearbeitet. Was ich an allen Kursen von Karolina mag, sind die kurzen Lehreinheiten (die Videos sind zwischen 5 bis max. 15 Minuten lang), die auch in einen hektischen Tag passen und die erfrischende Präsentation der Lehrinhalte.

Wer sich das mal anschauen will:

https://illis.se/en/courses-menu/

Warum mache ich sowas bzw. warum schreibe ich darüber? Weil man nie genug wissen kann und die Lösung für ein Problem evtl. aus einer ganz unerwarteten Ecke kommen kann.

Sobald man mit den Grundlagen vertraut ist, empfiehlt es sich, über den Tellerrand zu schauen, welche Lösungen z.B. die Hundetrainer gefunden haben oder die Trainer von Meeressäugern oder von Vögeln.

Sehr zu empfehlen sind da auch die Vorträge der ClickerExpo, die von der Karen Pryor Akademie veröffentlich werden (kann man online streamen, sind aber kostenpflichtig).

https://video.clickertraining.com/

Da Freddie ja keine späte Karriere als Packziege mehr machen wird, wurde er also mein Haupttrainingspartner für die Trainingsaufgaben. Wir haben z.B. im geschützten Kontakt die Futterhöflichkeit nochmal ganz neu aufgebaut, Targettraining erweitert und mit freiem Shaping begonnen.

Hier mal ein Video der ersten Trainingseinheit im geschützten Kontakt

Freddie geschützter Kontakt

Etwas später habe ich dann ein neues Target hinzu genommen als Vorbereitung für die Farbunterscheidung.

Der Video-Zusammenschnitt der ersten zwei Tage zeigt zum einen  Freddie's Problem mit dem Verständnis der Aufgabenstellung als auch meine Fehler im Trainingsaufbau.

Freddie: wir haben so lange fast nur mit Handtarget gearbeitet, dass er anfänglich die Fliegenklatsche nicht als Target wahrnimmt. Man sieht, dass er immer zuerst meine Hand berührt und dann, teilweise nach längerem Zögern, sich zum "echten" Target bewegt. Dies ist eine klare Indikation dafür, schon sehr früh im Training mit unterschiedlichen Objekten das Targetingverhalten zu generalisieren.

Durch das neu hinzu gekommene Kriterium "Target berühren" wird im Gegenzug das vorher trainierte Verhalten "Abstand von der Horde" wieder etwas schlechter.

Ich: ich bin mit Freddie's Reaktionsgeschwindigkeit und der Koordination zwischen Target präsentieren, clicken und gleichzeitig noch auf meine Futterposition und Freddie's sonstigem Verhalten zu achten etwas überfordert. Daher präsentiere ich das Target anfangs eher holperig, nehme es nach dem Click nicht aus dem Gesichtsfeld von Freddie und mache auch sonst noch einige Timingfehler.

Freddie lernt neues Target kennen

Ein paar Tage später ist Freddie deutlich sicherer mit dem neuen Target und ich kann in den Trainingseinheiten zwischen zwei Verhalten abwechseln: 1. Abstand von der Horde - das frage ich immer wieder zwischendrin und vor allem am Anfang ab / 2. Target berühren, das an unterschiedlichen Positionen präsentiert wird.

Und dann wechsle ich die Seiten. Sowohl die Futterhand als auch die Position des Targets ändern sich komplett. Und das vorher schon recht solide Verhalten fällt komplett in sich zusammen. Dies zeigt deutlich, dass es für Tiere nicht sofort "logisch" ist, ein unter bestimmten Kriterien gelerntes Verhalten auch unter veränderten Kriterien weiter zu zeigen. Freddie hatte gelernt:

Wenn dieses blaue Ding vor meiner Nase erscheint UND Frauchen es in der linken Hand hält, soll ich das blaue Ding und nicht die Hand berühren. Und wenn das blaue Ding, während Frauchen es in der linken Hand hält, nicht direkt vor meiner Nase erscheint, dann soll ich es auch berühren.

Die veränderten Positionen machten Freddie übrigens auch zu schaffen, da brauchte er ein paar Tage und sehr, sehr kleine Positionsveränderungen, um dieses Kriterium zu verstehen.

Die Regeländerung: auch berühren, wenn Frauchen das blaue Teil in der rechten Hand hält (UND dann auch nicht mehr rechts vor ihm steht, sondern links), war für ihn nicht nachvollziehbar, weswegen er wieder auf ein gut gelerntes Verhalten "Handtarget berühren" zurück fällt.

Freddie Targeting Seitenwechsel

Mit entsprechend kleinerem Kriterienwechsel haben wir das aber lösen können. Zuerst habe ich getrennt sowohl das Füttern mit der linken Hand geübt als auch, weiterhin präsentiert mit der linken Hand, die Position des Targets noch weiter ausgedehnt, nämlich auch auf seine linke Körperseite, so dass er lernen konnte, sich auch nach links zu orientieren/drehen. Über Target vor meinem Körper präsentieren konnte ich dann innerhalb von wenigen Trainingseinheiten das Target auch mit der rechten Hand auf Freddie's linker Seite präsentieren.

Target Seitenwechsel Teil 1

Target Seitenwechsel Teil 2

Wie man, zu meiner Schande, gut sehen kann, schleichen sich dann auch wieder Fehler bei mir ein, weil ich mich so sehr auf Freddie und die Targetposition konzentriere.

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