Working Goats Blog

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Futterbelohnung - schlechter Trainer?

 

Das hier gehört zum Thema "Belohnung oder Bestechung" und ist ein wenig eine Fortsetzung dieses älteren Blogs.

Es kommt noch immer vor, dass jemand, der mit Futterbelohnung trainiert, als ein "schlechterer" Trainer betrachtet wird, weil das Tier "tut das ja nur für's Futter".

Ich bin im o.g. Blog schon auf die grundlegenden Gegenargumente eingegangen, warum Futterbelohnung eben nicht schlecht, verwerflich oder einfach nur Bequemlichkeit ist, sondern im Gegensatz dazu sogar grundlegende Bedürfnisse jedes Tieres erfüllt, nämlich Nahrungsaufnahme und somit Erhaltung der Körperfunktionen = Leben.

Weitere Gegenargumente, die man hören kann sind z.B.

"Das Tier soll mich nicht mit Futter in Verbindung bringen?"

Wie soll das gehen? Wenn wir mit Tieren zusammenleben und diese, im Idealfall, selbst versorgen, sind wir die Quelle alles Guten. Wir bringen täglich Futter in die Raufen, wir gewähren Zugang zu frischem Wasser, selbst im Sommer, wenn die Tiere auf der Weide sind, ist es UNSER Verhalten, z.B. des Tor öffnens zur Weide am Morgen oder das Weiterstecken eine Zaunes, das Zugang zu einer wichtigen Resource = Futter ermöglicht.

Unsere Tiere verbinden uns schon längst mit Futter, weil wir ultimativ die Kontrolle hierüber haben. Ob uns diese Tatsache nun gefällt oder nicht.

Machen wir einen kurzen Abstecher in die Lerntheorie und sehen erstmal was für Verstärker existieren. Im Beitrag "Positiv/negativ - was denn nun?" habe ich schon erklärt, dass bei positiver Verstärkung ein Verhalten häufiger gezeigt wird, wenn es verstärkt wird. Es werden weiterhin primäre und sekundäre Verstärker unterschieden.

Ein primärer Verstärker ist ein angeborener, verstärkender Reiz, der zur Befriedigung eines natürlichen Bedürfnisses führt. Dazu gehören Nahrung = Hunger, Durst; Spiel, Körperkontakt = soziale Interaktion.

Ein sekundärer Verstärker ist ein erlernter, verstärkender Faktor, der aufgrund der Befriedigung eines primären Bedürfnisses entstanden ist, aber später von diesem unabhängig sein kann. Das beste Beispiel hierfür ist Geld (sekundärer Verstärker), das für den Erwerb von primären Verstärkern (z.B. Nahrung, Süssigkeiten) verwendet werden kann. Im Tiertraining gehört Stimmlob zu den sekundären Verstärkern.

Im Training mit positiver Verstärkung werden sowohl primäre als auch sekundäre Verstärker eingesetzt. Körperkontakt = Kraulen vorwiegend bei Tieren, die (noch) kein Verständnis für Futterlob haben = sehr junge Tiere (Lämmer, Fohlen) oder die sich durch Körperkontakt hoch motivieren lassen (Hunde, Katzen). Spiel wird auch überwiegend bei Hunden und Katzen als primärer Verstärker eingesetzt und Futter findet bei allen trainierbaren Tierarten (und das geht bis zu Schmetterlingen) Einsatz.

"Wer mit Futter trainiert, ist nur zu faul, sich richtig Mühe zu geben!"

Vielleicht. Vielleicht bin ich faul(er), weil ich lieber einen Teil der Futterration als Belohnung verwende als zeitaufwändig eine Ziege zu kraulen (was zugegebenermassen deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, als "kurz" ein Leckerli zu reichen).

Aber Futter kann mehr, als nur Belohnung sein. Futter kann einen Trainingsschritt vertiefen oder erst möglich machen (und hier beginnt dann die Kunst des Trainings mit Futter, an deren Grundlage ich auch gerade erst kratze).

 

Was kann Futter denn noch?

 

- Füttern für Position: ich kann mit der Futtergabe eine gewünschte Position verstärken.

Beispiel: ich möchte, dass meine Ziege balanciert auf allen vier Beinen steht, ruhig, mit dem Kopf gerade nach vorne. Ich clicke diesen Moment und, wenn die Ziege das noch nicht gelernt hat, kommt nun als Resultat des Clicks ganz oft der Kopf in Richtung der Futterhand oder des Futterbeutels, denn "da kommt ja das Futter her."

Durch die Position einer Futterhand, nämlich nicht da, wo der Kopf JETZT ist, sondern da, wo er sein SOLL, kann ich das zuvor mit Click markierte Verhalten verstärken.

Tiere sind bequem. Warum die zusätzliche Bewegung zum Futterbeutel machen, wenn das Futter zu mir kommt?

Also kann ich mit Veränderung der Position meiner Futterhand, ohne das Tier körperlich anzufassen, seine Haltung, seine Position ändern.

Ich kann zurück füttern, wenn die Ziege mir in ihrem Enthusiasmus etwas zu sehr "auf die Pelle" gerückt ist. Das Zurückfüttern ist neutral, ich muss keine negativ verstärkte Anfrage (zurück schicken, zurück drücken) an das Tier stellen, die neue Position ergibt sich von selbst aus der Position des Futters.

Genauso kann ich nach vorne füttern, wenn die Ziege versehentlich einen Schritt zuviel zurück gemacht hat.

Oder seitlich, wenn ich z.B. für's Fahren Richtungsänderungen trainieren will. Oder tiefer oder höher.

Das ist allerdings kein Locken, beim Locken halte ich das Futter in der Hand und provoziere das gewünschte Verhalten. Beim Füttern für Position habe ich bereits das Verhalten markiert mit dem Click und nutze die Futterbelohnung für "Feinabstimmung".

 

- Füttern auf Distanz: ich gebe das Futter nicht aus der Hand, sondern werfe es, entweder auf den Boden oder in eine Futterschüssel

Zum einen hilft Füttern auf Distanz, die Fixierung auf die Futterhand zu verringern. Zum anderen kann man mit Füttern auf Distanz sehr schön Verhalten wiederholen, das durch Handfütterung sonst behindert wurde.

 

Beispiel:

Ich möchte, dass meine Ziege von mir weg zu einem Target geht (Pylon, Matte, o.ä.) ohne dass ich mich bewegen muss (auch das macht z.B. Sinn in Vorbereitung zum Fahrtraining aber auch generell als Trainingsvariante).

Wenn ich mich nicht bewege, kann ich der Ziege keine Hilfestellung geben, die das gewünschte Verhalten einleiten/begleiten könnte. Aber ich kann das Füttern auf Distanz nutzen.

Korrekt aufgestellt (und da muss man üben und auch mal mit einem menschlichen Helfer verschiedene Szenarien ausprobieren) könnte ein Trainingsaufbau wie folgt aussehen:

 

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