Working Goats

Intern

Statistics

Benutzer
2
Beiträge
34
Anzahl Beitragshäufigkeit
59327

Grundausbildung einer Arbeitsziege

 

Die Kriterien für eine zukünftige Arbeitsziege werden teilweise auch nach individuellen Vorlieben festgelegt. Generell eignet sich jede Rasse als Arbeitsziege, man muss nur das geeignete Ziegen-Individuum finden:

Freundliches Wesen, Menschenbezogenheit, guter Körperbau mit stabilen Beinen und Gelenken, gerader Rücken mit guter Bemuskelung entlang der Wirbelsäule, eher lange Beine. Eine gewisse "Härte" gegenüber Umwelteinflüssen. Ein Ziegenkitz, dass auch in den grössten Schlamm folgt, wird sicher eine gute Packziege werden. Unruhestifter, Kopfstosser, notorische Ausbrecher und ängstliche Tiere eignen sich weniger, da der Aufwand in der Ausbildung zu groß ist.
 


Die Grundausbildung einer Ziege sollte bereits in Kitz-Alter erfolgen. Dazu gehört das spielerische Üben von alltäglichen Abläufen: Anfassen aller Körperteile, kurzes, zwangloses Hochheben, später kurzes Festhalten der Beine und Klauen, Gewöhnung an ein Halsband, später an ein Halfter (zur besseren Kontrollierbarkeit der arbeitenden Ziege), Gewöhnung an Bürsten und Putzen. Bei weiblichen Ziegen sollte von Anfang an das Anfassen-Lassen der Euterregion dazugehören. Wer eine Ziege mit einem sog. Kaktus-Tuch regelmässig abreibt, kann sie dabei schon spielerisch an das erste "Gewicht" auf dem Rücken gewöhnen. Eine starke Gewöhnung und Prägung auf den Menschen erleichtert die weitere Arbeit erheblich, was z.B. durch Flaschenaufzucht der Lämmer erreicht werden kann.

Falls Sie keine 100%ige Flaschenaufzucht durchführen möchten, ist zu überlegen, ob Sie dem Lamm in den ersten Wochen zumindest 2x täglich eine Flasche reichen. Das festigt die Bindung zu Ihnen als 2te Mutter. Die Flaschennahrung kann hierbei durchaus aus frisch abgemolkener Muttermilch bestehen, die Sie per Flasche an das Lamm verfüttern. Oder Lämmermilch, sog. Milchaustauscher, den Sie zur besseren Verdaulichkeit jedoch entweder mit Ziegen- oder mit Kuhvollmilch mischen sollten. Ansonsten treten durch die Verfütterung von Milchaustauscher häufig Durchfälle auf und die Akzeptanz ist auch deutlich geringer als bei Muttermilch. Oft wird Milchaustauscher für Schaflämmer auch für Ziegen verwendet, dieser ist aufgrund der Ausgangsstoffe jedoch schlecht verträglich. Verträglicher ist Kälberersatzmilch. Um die Verdaulichkeit zu steigern, kann jeder Flasche 1 TL Naturjoghurt beigemischt werden.

Im Beisein des Menschen langsam und vorsichtig an's Angebundensein gewöhnen. Dies sollte nicht vor dem Absetzen von der Mutter erfolgen und ausserdem muss darauf geachtet werden, dass keine Verlustängste durch das Unereichbar-Werden der Herde und damit Sicherheit geweckt werden. Je besser schon im Vorfeld die Beziehung zum Menschen war und ist, umso leichter geht dieser Schritt. Lassen Sie die Ziege während dieser Übungen NIE allein - zu schnell wird aus der angebundenen, unbeaufsichtigen Ziege eine tote, aufgehängte oder strangulierte Ziege!

Da Ziegen neugierige und auch naschhafte Tiere sind, sollten diese ersten Übungen nicht sonderlich schwerfallen, wenn immer der spielerische Aspekt beibehalten wird. Interessenten der positiven Verstärkung sei Literatur über Clicker-Training bei Hunden und Pferden empfohlen, die Ausbildungsgrundsätze lassen sich auf Ziegen übertragen.


Mehr sollte ein Ziege im ersten 1/2 Jahr nicht lernen. Wichtig ist für sie ausserdem das Aufwachsen in einem Herdenverband, möglichst mit anderen Kitzen als Spielgefährten, mit entsprechend ausreichendem Auslauf und/oder Weidehaltung mit Klettermöglichkeiten zur Ausbildung und Kräftigung stabiler Gelenke, Muskeln und Klauen. Eine im Stall oder in anspruchsloser Umgebung (Hinterhof, kleine Ausläufe, etc.) aufgewachsene Ziege wird hier immer mit Benachteiligungen durch zu wenig "Training" zu kämpfen haben.

Nach der endgültigen Trennung von der Mutter (das muss nicht zwangsläufig im Alter von drei Monaten, wie empfohlen, passieren, sondern kann auch noch länger hinausgezögert werden, solange das Muttertier die Belastung durch das/die Jungtier(e) verkraftet) kann mit Führtraining begonnen werden. Wenn die Mutter bereits an Ausflüge gewöhnt ist, kann man sie und die Kitze auch schon vorher auf Spaziergänge mitnehmen. Zuerst im gewohnten Bereich, werden die "Ausflüge" schrittweise immer weiter ausgedehnt, bis die Jungziege angstfrei und zügig überall mitläuft. Sehr anhängliche Tiere tun das ja sowieso fast "von selbst", ansonsten helfen Leckerbissen schnell, daß die Ziegen Ihnen wie "angenagelt" folgt. Schon bei Beginn des Führtrainings sollte klar die Position der Ziege festgelegt werden. Die Standard-Führposition einer Ziege ist entweder rechts oder links von der Führperson, mit Schulter oder Bauch auf Kniehöhe. Alternativ kann das Führen vorneweg (Führperson vorne, Ziege hinterher) für enge Wegstellen geübt werden (eine Gasse aus Stangen, Paletten, etc. ist für das Üben hier sehr hilfreich), viele Ziegen bevorzugen diese Position und bleiben eigenständig hinter "ihrem" Menschen.

Nun ist es Zeit für den nächsten Ausbildungsschritt, der schon etwas mehr mit Gehorsam und Achten auf den Führer zu tun hat. In diesem Schritt soll die Ziege lernen, auf Anforderung und Signal (Halt - Stopp - Steh - Whoa, etc.) ruhig stehen zu bleiben, bis eine neue Anforderung kommt.

 



Mögliche Hilfsmittel hierzu können sein: Leckerli, die aber in grösseren Abständen gegeben werden und auch nur dann, wenn die Ziege eine längere Zeit (Anfangs können das wenige Sekunden sein) still gestanden ist. Ein Kreis, der mit einem langen Strick, Kreide, Sand, o.ä. auf den Boden gezogen wird, um der Ziege durch die optische Begrenzung den Begriff des Stehens deutlicher zu machen. Fortgeschrittene Teams können mit einem längeren Führstrick oder sogar einer Longe arbeiten, um den Spielraum zwischen Führer und Ziege variabel verändern zu können. Auch sollte die Ziege lernen, weiterhin stehen zu bleiben, obwohl Menschen um sie herumgehen und sie anfassen, etc.


Ist dieser Punkt erfolgreich gemeistert, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden: dem erschwerten Führtraining. Hier ist nun der Phantasie des Menschen keine Grenze gesetzt, mit welchen sonderbaren und potentiell angsterregenden Dingen er seine Ziege bekannt machen will. Nicht versäumt werden sollte die Gewöhnung an laute, klappernde Geräusche (Dosen. Musik, Hupen), flatternde Gegenstände (Flatterband, Planen, Tücher), Menschenmengen und, ganz wichtig, Fahrzeuge aller Art und Hunde. Für das erschwerte Führtraining sollte dann auch der eigene Hof regelmässig verlassen und die Spaziergänge in die nähere und weitere Umgebung ausgedehnt werden.

Wer sich sehr intensiv in diese Ausbildungsschritte "gekniet" hat, dürfte - je nach Veranlagung der Ziege - nach ca. 3 Monaten eine Ziege mit einer guten Grundausbildung haben, sprich die Ziege ist nun zwischen 9 und 12 Monaten alt. Doch, was nun? Zur Arbeit sollte keine Ziege eingesetzt werden, die jünger als zwei Jahre ist.

Die Ausbildung ist da, jetzt kann es an das Konditionstraining gehen. Eine so ausgebildete Ziege kann nun auf längeren und kürzeren Spaziergängen mitgenommen werden, auf denen die erlernten Dinge immer wieder in neuen Kombinationen und unter unterschiedlichen Einflüssen abgefragt und überprüft werden können. Sind für später richtig lange Touren geplant, sollte sie auch noch Auto- oder Hängerfahren lernen.

Und bitte, die Pausen zum Wachsen, Spielen mit den anderen, einfach nur Ziege sein dürfen, nicht vergessen. Von Pferden weiss man, dass sie nach längeren Pausen bereits erlerntes besser ausführen, der Lernschritt hat sich im Kopf "festgesetzt", ob das bei Ziegen auch so ist - ausprobieren!

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.