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Klauenpflege

Ein wichtiger, aber oft vernachlässigter Punkt der Ziegenpflege - oftmals nur aufgrund von "Berührungsängsten".
Klauenschneiden kann mit etwas Übung von jedem geschickten Menschen erlernt werden.

Dieses Bild zeigt sich dem Betrachter, wenn die Klauenpflege fällig ist. Bei einer Arbeitsziege sollte die Fehlstellung nicht so weit fortgeschritten sein.
Und so sehen die Klauen nach dem Schneiden aus.

Zum Klauenschneiden benötigen Sie ein scharfes Messer und evtl. einen Handschuh zum Schutz der Hand, die den Fuss festhält.

Wer nicht mit einem Messer so nah an seiner Ziege hantieren will, benutzt am besten Klauenscheren für Schafe. Vorher ausprobieren, wie die Schere in die Hand passt und ob die Scherblätter nicht zu lang sind, um evtl. kleine Hufe zu bearbeiten.

Wir arbeiten am liebsten mit einer Bonsai-Schere aus dem entsprechenden Gartenbedarf mit Teflon beschichteten Scherblättern.

Halten Sie den Fuss hoch, Sie können dann meist schon den umgeklappten Tragrand sehen, der beim Laufen auf den Ballen drückt. Sollten die Klauen verdreckt sein, entfernen Sie den Dreck mit einem Hufauskratzer für Pferde oder einem anderen schmalen, stumpfen Gegenstand. Nun schneiden Sie den überstehenden Tragrand zurück, bis dieser mit dem Ballen wieder eine Ebene bildet. Wenn Sie mit einer Schere gearbeitet haben, schneiden Sie nun mit einem scharfen Messer die Klauenränder noch etwas nach, bis sie einen sauberen Übergang zum Ballen bilden. Um ein Zusetzen des Klauenspaltes mit Schmutz und Dreck zu verhindern, werden auch die inneren Ränder des Klauenspaltes mit einem Messer vorsichtig abgerundet. Wenn nötig, müssen Sie noch den Klauenballen etwas kürzen, damit die Ziege wieder eben auftreten kann.
 

Ziegen, die ungern die Füsse geben und sich beim Klauenschneiden wehren, kann man in kleinen Schritten mit Hilfe von vielen Leckerli's an die Berührung der Beine, das Hochheben und Festhalten gewöhnen. Da sich oft die Hinterbeine als problematischer erweisen, können Sie hier mit einem Helfer arbeiten, der die Ziege etwas abstützt und ihr so die Angst vor dem Umfallen nimmt. Wenn Sie ohne Helfer arbeiten, stellen Sie die Ziege so, dass die von Ihnen abgewandte Körperseite durch eine Wand begrenzt wird. Heben Sie besonders die Hinterbeine nicht über die Linie an, die von den Sprunggelenken gebildet wird, das führt zu unnötiger Überstreckung mehrerer Gelenke und gibt der Ziege darüberhinaus das Gefühl, gleich umzufallen. Wenn Sie sich nicht so lange so tief bücken können, trainieren Sie ihre Ziege, zum Klauenschneiden auf einer stabilen Holzkiste o.ä. zu stehen.

Binden Sie die Ziege beim Üben und beim Klauenschneiden an, möglichst kurz, so dass sie nicht grossartig um Sie "herumtanzen" kann und nehmen Sie sich Zeit.


Weitere Tipps zur Klauenpflege:

Bedingt durch schlechte Wetterverhältnisse, aber auch (hoffentlich selten) durch mangelnde Stallhygiene, können Ziegen mit schlecht gepflegten Klauen Moderhinke entwickeln. Meist äussert sich diese Erkrankung durch Lahmheiten bzw. bewegen sich die Ziegen nur noch auf den Knien der Vorderbeine voran oder bleiben in allerschlimmsten Fällen sogar komplett liegen. Dass es soweit nicht kommen sollte, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Das Klauenhorn wird weich und schmierig und sondert einen üblen Geruch ab. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine bakterielle Infektion durch Erreger aus der Einstreu (Mist) bzw. Bodenbakterien, die sich durch Feuchtigkeit (lange Regenperioden, nasse Einstreu) und Wärme (der Klauen selbst) in den Spalten der Klauen bzw. unter dem überständigen Klauenhorn (s. Bild oben) kräftig vermehren und das Klauenhorn zersetzen.

Trotz des gemeinsamen Symptoms "Lahmheit" ist die Behandlung je nach Lokalisation unterschiedlich:

Bei einer Entzündung des Zwischenklauenspaltes ist eine entzündungs- und antibakterielle Behandlung notwendig. Die besten Erfahrungen haben wir mit einem Blauspray vom Tierarzt (enthält Antibiotika, anders als die frei verkäuflichen Blausprays) gemacht, das schon nach wenigen Tagen Anwendung für eine Abheilung sorgt.

Bei einer Infektion des Klauenhorns - genauer, der Lamellenschicht - muss das befallene Horn gründlich ausgeschnitten werden. Oft haben sich schon kleinere oder grössere "Taschen" gebildet, in denen sich Erde und Dreck entlang der Hornwand unter die Aussenwand geschoben haben. Diese Taschen müssen ausgeräumt und so weit (notfalls hoch entlang der Wand) ausgeschnitten werden, bis sich kein Dreck mehr sammeln kann.

Diese Taschen entstehen vorrangig durch die Hebelkräfte, die umgeklappte Tragränder auf die Wand ausüben. Sie hebeln mit jedem Schritt die Wand minimal aus und strapazieren die Lamellenschicht, bis sich mikroskopisch kleine, später grössere Risse bilden, in die dann Schmutz eindringt und die Tasche immer grösser werden lässt.

Klaue nach wochenlanger Feuchtigkeit, kurz vor dem Entstehen von Taschen am äusseren Tragrand. Der Tragrand und die Lamellenschicht sind durch die Feuchtigkeit bereits beeinträchtigt.

Regelmässige Klauenpflege ist somit die beste Prophylaxe gegen diese Form der Klauenerkrankung.

Wichtigstes Ziel einer Therapie muss sein, die Bakterien zu bekämpfen und die Lebensbedingungen für die Erreger "unangenehm" zu machen (Trockenheit). Neben der Pflege der Klauen gehört daher das trockene Aufstallen der Tiere bzw. Wechsel der Einstreu dazu.

Klauenpflege mit 20%iger Zinksulfatlösung oder Jodoformäther, ggfs. antibiotische Puder oder Sprays. Die befallenen Klauen vorher gründlich ausschneiden und säubern, die dabei verwendeten Geräte danach gründlich desinfizieren. Nach einigen Tagen kontrollieren, ggfs. Behandlung nochmals wiederholen.

Tees aus Eichenrinde oder Zinnkraut können bei leichten Formen der Moderhinke als Waschungen oder Pinselungen eingesetzt werden.

ACHTUNG! Entsorgen Sie alle Hornabfälle, die Sie von befallenen Klauen entfernt haben, gründlich, da diesen weiterhin Bakterien anhaften und desinfizieren Sie Hände und Schneidwerkzeuge, BEVOR Sie die nächste Ziege versorgen oder deren Klauen schneiden.


Klauen härten:

Eine Arbeitsziege bewegt sich nicht nur auf Wiesen voran. Meistens wird sie vermutlich auf Asphalt oder geschotterten Wegen unterwegs sein. Das erfordert Gewöhnung der Klauen an den anderen Untergrund. Neben regelmässigen Spaziergängen auf diesen Böden können Sie ergänzend im Stall bzw. an Übergängen, die die Ziegen regelmässig nutzen, "Wannen" mit Schotter, runden Bachkieseln oder Sand einrichten oder Sie gestalten den Fressbereich mit einem sandigen oder kieshaltigen Untergrund. Auch die Gestaltung einer felsigen, steinigen Klettermöglichkeit trägt zur Härtung der Klauen bei.

Zusätzlich können Sie sog. Huffestiger aus dem Pferdebereich verwenden. Hierzu gibt es verschiedene Präparate, das "Keralit" ist eines der besten, die momentan angeboten werden. Die regelmässige Verfütterung von Kieselerde sorgt für gutes Wachstum von stabilem Horn.

Haben sich die Klauen durch zuviel Bewegung auf hartem Untergrund zu stark abgenutzt, muss eine Pause eingelegt werden, bis die Klauen wieder ausreichend nachgewachsen sind. Erste Hinweise auf zu kurze Klauen ist ein "fühliges" Gehen auf steinigem Untergrund, schon in diesem Stadium sollten Sie eine Pause von mehreren Tagen einlegen und die Ziege nur auf weichem Untergrund bewegen.

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