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In all den Jahren, in denen ich nun mit Packziegen arbeite, habe ich vom Ausbilden scheuer Ziegen abgeraten. Die konventionellen Trainingsmethoden lassen einfach zu wenig Spielraum, um mit dem anderen "Mindset" einer scheu aufgewachsenen oder scheu geborenen Ziege ein effektives Training aufzubauen.

Seit 2014 habe ich zuerst die Ausbildung unserer Ponies, dann der Hunde und schlussendlich auch der Ziegen auf positive Verstärkung - Clickertraining - umgestellt.

Dies hat mir in der Arbeit mit den scheuen Ziegen unserer Herde ganz neue Möglichkeiten eröffnet und sogar die "Transformation" eines Bockes, der sich ein Leben lang weder einfangen noch freiwillig berühren liess, zum Packbock ermöglicht.

Direkt vorab: Freddie wird immer eine Ziege bleiben, die in Stress-Situationen in Angst- oder Meideverhalten zurück fallen wird und kann daher niemals so frei oder unbeschwert, wie andere Packziegen, arbeiten. Aber von einer Ziege, die sich immer im Hintergrund gehalten hat, entwickelte er sich innerhalb weniger Wochen zu einem neugierigen und interessierten Trainingspartner, der auch kniffelige Situationen aushalten kann, wenn man auf ihn eingeht.

 

Da das Training mit Freddie ein fortlaufender Prozeß ist, will ich das als Blog aufbauen. Viel Spaß beim mitlesen.

Futterbelohnung - schlechter Trainer?

 

Das hier gehört zum Thema "Belohnung oder Bestechung" und ist ein wenig eine Fortsetzung dieses älteren Blogs.

Es kommt noch immer vor, dass jemand, der mit Futterbelohnung trainiert, als ein "schlechterer" Trainer betrachtet wird, weil das Tier "tut das ja nur für's Futter".

Ich bin im o.g. Blog schon auf die grundlegenden Gegenargumente eingegangen, warum Futterbelohnung eben nicht schlecht, verwerflich oder einfach nur Bequemlichkeit ist, sondern im Gegensatz dazu sogar grundlegende Bedürfnisse jedes Tieres erfüllt, nämlich Nahrungsaufnahme und somit Erhaltung der Körperfunktionen = Leben.

Weitere Gegenargumente, die man hören kann sind z.B.

"Das Tier soll mich nicht mit Futter in Verbindung bringen?"

Wie soll das gehen? Wenn wir mit Tieren zusammenleben und diese, im Idealfall, selbst versorgen, sind wir die Quelle alles Guten. Wir bringen täglich Futter in die Raufen, wir gewähren Zugang zu frischem Wasser, selbst im Sommer, wenn die Tiere auf der Weide sind, ist es UNSER Verhalten, z.B. des Tor öffnens zur Weide am Morgen oder das Weiterstecken eine Zaunes, das Zugang zu einer wichtigen Resource = Futter ermöglicht.

Unsere Tiere verbinden uns schon längst mit Futter, weil wir ultimativ die Kontrolle hierüber haben. Ob uns diese Tatsache nun gefällt oder nicht.

Weiterlesen: Futterbelohnung - schlechter Trainer?

Der Packsommer 2016

Der Sommer 2016 beginnt im Mai mit einem tollen Spaziergang, bei dem ich mit Freddie, Lucky und Cisco zum ersten Mal in einer kleine Gruppe unterwegs bin.

 

Aus Sicherheitsgründen behalte ich Freddie am Führstrick, denn ich möchte nicht, dass er mir in einem Panikanfall davonrennt.

 

Er macht es sehr gut, kann auch recht bald Leckerli nehmen für Mitkommen, muss aber auch sich ganz viel umsehen. Ich clicke und bestärke jedes „sich zu mir orientieren“ und „mit mir mitgehen“, lasse ihm aber sehr viel Zeit, sich immer wieder für diese Optionen zu entscheiden.

 

Uns begegnende Autos bringen ihn noch aus der Fassung, aber er wird nicht panisch.

 

Freddie's allererster Trainingsspaziergang

 

Nach diesem ersten Spaziergang mache ich mich nochmal ernsthaft an’s Satteltraining und clicke die einzelnen Schritte hierzu sehr kleinschrittig.

Weiterlesen: Der "Packsommer" 2016

Ich bin hungrig - I'm hungry!

Mit diesen Worten beginnt Alexandra Kurland den Blogbeitrag zum Tag 4 ihrer Goat Diaries (Ziegentagebücher, ein fortlaufender Erfahrungsbericht über Clickertraining von Ziegen) und wirft damit wichtige Fragen für Clickertrainer auf.

Goat Diaries Day 4 - I'm hungry

Sie stellt die provokante Frage, ob man wirklich ein positiver Trainer ist! Sind wir ein positiver Trainer, weil wir Futter im Training verwenden? Hat unser tierischer Trainingspartner die gleiche, positive Erfahrung? Oder zwingt ihn Hunger und das Verlangen nach Futter in Trainingssituationen, die ihm dennoch Angst machen?

Weiterlesen: Ich bin hungrig

Wenig getan in 2017

In 2017 mache ich wenig mit Freddie. Über den Winter hatte ich mich auf Cisco und Lucky konzentriert und Freddie hat nur normales Kontakttraining gemacht.

 

Umso überraschter war ich, dass er sich im Frühsommer 2017 frei stehend, mitten auf einem Weg – allerdings umgeben von der gesamten Herde – von mir satteln liess.

 

Das war so eine spontane Idee, die auch hätte nach hinten losgehen können, aber das Satteltraining in 2016 gab ihm genug „Rahmen“, um unter geänderten Kriterien doch noch zu wissen, welches Verhalten – still stehen und geradeaus schauen – Erfolg haben würde.

 

Freddie ist daher bei einigen Spaziergängen mit der ganzen Herde gesattelt dabei.

 

Auch beim Highline-Training = angebunden an einem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil stehen, macht er sehr gut mit.

 

Highline und freies Mitlaufen mit Sattel

 

Leider sehe ich bei diesen Spaziergängen, dass Freddie eine leichte Bewegungsanomalie an der Hinterhand entwickelt hat – sein Halbbruder Donald hatte das auch, sehr viel stärker, und musste deswegen in 2017 eingeschläfert werden (Lähmungen/Ausfallerscheinungen).

 

Freddie’s Packtraining werde ich daher schweren Herzens nicht weiter vorantreiben, Freddie geht mit der Herde auf Sommerweide und darf Ziege sein.

 

 

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