Working Goats Blog

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Der zweite Winter

Wir renovieren im Herbst 2015 und so stoppt das Training für mehrere Monate. Im August habe ich noch ganz langsam mit Satteltraining angefangen. Den Sattel gezeigt und jedes Interesse, beschnuppern, ruhiges Stehen geclickt.

Wir sind bis zum Sattel auf den Rücken legen gekommen aber Gurte schliessen zeigt dann wieder Lücken im Training.

 

Freddie ist neugierig, enorm auf meine Hand fixiert und kann die Anforderung, nun ruhig stehen zu bleiben, während ich an ihm und um ihn herum „wurschtele“ noch nicht umsetzen. Ganz oft dreht er den Kopf zu mir, macht einen Schritt rückwärts oder zur Seite.

 

Diese Übung muss also wieder in viel kleinere Schritte zerlegt werden, wie z.B. dass ich mich erst mal mit mehr Distanz zu Freddie bücke, das „unter den Bauch greifen“ in einem Abstand simuliere, in dem er sich nicht beunruhigt fühlt.

 

Oder Berührungsreize am Bauch zulassen und dabei stehen bleiben.

 

Das sind ein paar der Dinge, die wir im August 2015 noch angehen. Daneben übe ich mit Freddie das Verlassen des Laufstalles und mit mir alleine im Innenhof und Carport zu sein, was ihm, abhängig von der Tagesform unterschiedlich schwer fällt.

Das rausgehen aus dem Laufstall fällt ihm recht schnell leicht, aber mehr Distanz zur Herde und zur sicheren Tür zurück in den Stall zu legen, wenn er sich mit Umweltreizen auseinander setzen muss: vorbeifahrende Autos, Fußgänger, etc., das wird zu einer Herausforderung.

Regelmässiges Training kann dann erst im Winter 2016 weitergehen und ich „kämpfe“ mit ein paar ziegentypischen Eigenheiten, die ich von Pferden oder Hunden nicht kenne.

 

Das aufhalftern, das ich im Sommer begonnen habe, soll nun verfeinert werden. Bislang kann Freddie den Kopf stillhalten, damit ich das Halfter anlegen kann, aber er zeigt noch keine Eigeninitiative, den Kopf selbst in Halfter zu stecken.

 

Hier kommt für uns erschwerend dazu, dass er sich noch immer ganz stark Richtung meiner Hand orientiert. Ich überlege mir, das Thema „Target“ für ihn zu verallgemeinern und experimentiere mit anderen Gegenständen, die er berühren kann.

 

Hier zeigt sich dann eine Besonderheit, die ich im nächsten Jahr, als ich noch andere Ziegen anclicke und mit Targettraining vertraut mache, als etwas womöglich ziegenspezifisches herausstellen könnte:


Freddie (und später die anderen Ziegen) tut sich extrem schwer, sich auf andere Targets einzustellen. Das Handtarget sitzt bombenfest. Er berührt andere Gegenstände, wenn ich diese sehr eindeutig präsentiere, verbindet aber das Verhalten deutlich schlechter als mit der präsentierten Hand und es scheint so, als würde er den neuen Targetgegenstand nicht wahrnehmen.

 

Ich experimentiere mit Stofflappen, Plastikflaschen und einem „echten“ Targetstick aber wir kommen bei der Generalisierung des Verhaltens nicht sehr weit.

 

Nach der Renovierungspause fange ich im Januar erstmal wieder mit ganz einfachen Sachen an, denn Freddie hat sich doch wieder etwas in die Herde zurückgezogen.
 

Mit der ersten Clickersession ist er aber wieder da und macht ab da begeistert mit. Das Satteln macht weiter Fortschritte, hat aber noch immer Elemente von unerwünschtem Verhalten = zappeln, nicht ruhig stehen bleiben. Für den Moment ignoriere ich das (das wird ein Trainingsziel im Winter 2016/2017), da wir schon jetzt viieel weiter sind, als das ursprüngliche Trainingsziel „anfassen lassen“ jemals beinhaltet hat.

 

Freddie lernt sehr schnell, einen Sattel zu tragen und mir frei, gesattelt durch den Auslauf zu folgen.

 

Wann immer es die Zeit zulässt und Freddie dazu bereit ist, füge ich Verkehrsgewöhnung in’s Training ein.

 

Hier gehe ich mit klassischer Konditionierung vor. Wir gehen dazu aus dem Laufstall heraus in den Hof und stellen uns an die Strasse. Die Distanz wähle ich hierbei so, dass Freddie weiterhin ruhig bleiben kann.

 

Jedes ankommende und vorbeifahrende Fahrzeug wird mit einem Click und Futterbelohnung markiert, so dass Freddie verknüpfen kann: „Motorgeräusch und Fahrzeug bedeuten was Tolles!“

 

Und natürlich – ich komme da irgendwie nicht drum herum – lernt Freddie im Laufe des Verkehrstrainings das Handtarget als ein Verhalten kennen, mit dem er eine Angstreaktion vermeiden kann.

 

D.h., er darf/kann meine Hand berühren, wird dafür, wenn er das auch bei einem ankommenden Fahrzeug kann, belohnt. So lernt er eine Alternative zum instinktiven wegspringen.

 

Dass ich im Gegenzug seine Fixierung auf das Handtarget noch verstärke, ist in diesem Moment nicht zu umgehen. Dazu hätte ich das Targettraining von Anfang an anders aufbauen müssen, ihn viel früher mit anderen Targets vertraut machen.

 

Wir können bis Anfang März mehrmals pro Woche miteinander üben. Verkehrstraining, zuerst an verkehrsarmen Wochenenden, wird ausgeweitet auf Training während Berufsverkehr.

 

Das Satteln probiere ich ein-, zweimal nun auch ausserhalb des Laufstalles aber das überfordert ihn noch stark.

 

Klauengeben, wie im vorherigen Blog geschrieben, gehe ich zwischendrin immer wieder mal an, aber da finden wir keinen gemeinsamen Nenner.

 

Im März erkrankt Freddies Grossmutter und benötigt über mehrere Wochen intensive Betreuung.

 

So kommt Freddie’s Wintertraining zu einem Stop und wir machen erst im Frühjahr weiter – mit RICHTIGEM Packtraining!

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