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Belohnung oder Bestechung?

 

Im letzten Blog habe ich mit dem Satz „Positive Verstärkung ist übrigens NICHT Bestechen mit Futter“ geendet.

 

Jetzt möchte ich auf die Unterschiede zwischen Bestechen und Belohnen eingehen und auf die Frage, warum man überhaupt mit Futter belohnen sollte.

 

Schauen wir uns erstmal die Definition lt. Duden von bestechen und belohnen an.

 

Bestechen = einen andern durch Geschenke, Geldzahlungen o. Ä. für seine eigenen [zweifelhaften] Interessen, Ziele gewinnen [und ihn dabei zur Verletzung einer Amts- oder Dienstpflicht verleiten]

 

Belohnen = zum Dank, als Anerkennung für etwas (mit etwas) beschenken, auszeichnen; eine Tat, eine Leistung anerkennen, vergelten

 

Grob vereinfacht, folgt bei Bestechung das Verhalten der Bestechung z.B. einem vorgehaltenem Futtereimer und folgt bei Belohnung die Belohnung dem Verhalten.

Das ist nicht nur Semantik, sondern hat sich in der Praxis immer wieder als ein deutlicher und wichtiger Unterschied erwiesen.

 

Wobei es durchaus Trainingsansätze im Clickertraining gibt, die KURZFRISTIG mit Locken durch Futter arbeiten, wenn es um das Erarbeiten eines neuen Verhaltens geht.

 

Jedoch, wie überall im Clickertraining wird, sobald das Tier das gewünschte Verhalten einigermaßen zuverlässig zeigt, so schnell wie möglich auf Bestärkung NACH dem Verhalten übergegangen.

 

Bestechung/Füttern/Locken mit Futter hat einen sehr negativen Beigeschmack im Tiertraining. Das Tier soll nicht für Futter, sondern aus immateriellen Gründen, aus „Liebe“ oder „Respekt“ vor dem Menschen arbeiten.

 

Seien wir mal ehrlich. Tun wir das etwa auch? Jeder von uns arbeitet für Gehalt oder Lohn (wer findet die Gemeinsamkeiten zwischen BeLOHNung und Lohn?). Geld ist eine abstrakte Belohnung, die uns die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse möglich macht.

Dazu kommt meistens noch die Befriedigung anderer Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung; nach Lösen komplexer Zusammenhänge; nach dem Gefühl, „nützlich“ zu sein; anderen Menschen helfen zu wollen, usw.

 

Machen Tiere auch solche Unterscheidungen?

 

Moderne Gehirnforschung hat das bestätigt. Vor allem der Psychologieprofessor Jaak Panksepp hat die Zusammenhänge zwischen Emotionen und Gehirnfunktionen ausgiebig erforscht und gefunden, dass die grundlegenden Emotions“kreisläufe“ sogar in Gehirnen von Amphibien und Reptilien gefunden werden können. Also in Gehirnregionen, die so alt sind, dass sie jedem höheren Lebewesen gemein sind – somit auch unseren Haustieren und uns Menschen.

 

Die Hauptbedürfnisse sind:

 

Suche: das Suchsystem wird aktiviert, wenn wir etwas Neues erforschen, nach Ressourcen suchen.

Furcht: Reaktion auf Stimuli, die den Körper schädigen könnten

Wut: die Aktivität des Erwartungssystems lässt nach oder es tritt Irritation ein

Panik: Überlebenssicherung durch sehr schnelle Reaktion aber auch bei Verlust von absolut lebensnotwendigen Parametern (z.B. ein Jungtier, das den Kontakt zur Herde oder Mutter verloren hat)

Lust: nötig für die Fortpflanzung

Fürsorge: nötig für das Überleben des Nachwuchses

Spiel: eines der wichtigsten Systeme, fördert Lernen und soziale Interaktion, sozialen Zusammenhalt

Soziale Dominanz

 

Clickertraining aktiviert vor allen die Kreisläufe „Suche“ und „Spiel“ und berührt damit Gehirnregionen, die für positive Emotionen zuständig sind.

 

Studien zeigen, dass auch Tiere gerne spielen. Und ein aufmerksamer Tierbesitzer braucht dazu keine Studien, die Beobachtungen der eigenen Tiere in der Interaktion mit uns oder untereinander macht klar genug, dass Spielen eine geschätzte Aktivität ist.

 

Das Suchsystem ist wichtig. Es bringt ein Lebewesen zu Wasser- und Futterquellen, findet Regionen, in denen es vor Umwelteinflüssen geschützt ist, liefert eine Orientierung in unbekannter Umgebung, löst Probleme, findet Sozialpartner.

 

Die Aktivierung der entsprechenden Gehirnregionen führt zu einer Ausschüttung von Botenstoffen, die dazu führen, dass wir (und unsere Tiere) sich gut fühlen.

 

Also teilen unsere Haustiere sich mit uns grundlegende Gehirnstrukturen. Wir können daher davon ausgehen, dass auch sie, wie wir, aus der Aktivierung von Spiel und Suche Befriedigung und Wohlbefinden ziehen.

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