Working Goats Blog

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Die ersten Schritte.....

 

So, weiter geht's!

Auch hier werde ich immer wieder mal kommentieren, was ich heute anders machen würde.

Wir sind am Tag 4 oder 5, Freddie findet das Clickerspiel unheimlich toll und sucht aktiv meine Nähe. Aber mittlerweile haben die anderen Ziegen spitz gekriegt, dass da Leckereien verteilt werden und ich muss mir eine Strategie überlegen, wie ich Freddie weiter für seine Zusammenarbeit belohnen kann ohne ihn dem Stress auszusetzen, von anderen Ziegen gemobbt zu werden oder bei mir bleiben zu sollen, wenn ich durch Energie und Körperhaltung die anderen Ziegen auf Abstand halte.

Mein erster Versuch, Freddie am Strick aus dem Laufstall heraus zu nehmen, ist nicht besonders erfolgreich. Ja, er kommt mit - er kennt aus dem vorherigen Winter, dass es auch draussen was zu fressen gibt aber er fühlt sich von der Herde getrennt sehr unsicher.

Er kann sich Leckerli verdienen durch Handtarget berühren und sich anfassen lassen aber ich merke an der Art, wie er das Futter aus der Hand nimmt = Lippen sind fest(er), er hält das Futter kurz im Maul, bevor er kaut, überlegt länger, ob er das Futter überhaupt nehmen will, dass er unter Stress = Trennungsangst steht.

Nach ein paar Minuten drängt er dann auch aktiv Richtung Stalltür und kann es alleine draussen nicht mehr länger aushalten.

Das ist also ein Trainingsszenario, mit dem wir (noch) nicht weiter kommen werden und es wäre kontraproduktiv, hier nun mit Zwang und "das muss die Ziege aushalten" weiter zu machen. In sehr kurzer Zeit wäre jede Motivation durch leckeres Futter überdeckt durch die immer wieder entstehende Trennungsangst.

Nur, wie löse ich das mit dem mobben in der Herde? Idealerweise hätte ich eine Box, einen abgeteilten Bereich, in den sich Freddie schon freiwillig begibt, weil es hier tolle Clickerspiele gibt.

Das habe ich aber beim anclickern übersehen, da war ich froh, ihn "irgendwo" in der Herde "abholen" und zu einem Clickerspiel einladen zu können.

Gottseidank findet er aber mittlerweile die Zusammenarbeit mit mir so toll, dass er mir folgt, sobald ich mit Clickertasche den Stall betrete. Da ich mehrere Ziegen ausserhalb des Stalles mit Kraftfutter zufüttere (die Gruppe wird dann für ca. 20 Minuten kleiner), mache ich mir das zunutze und clicke Freddie nun gezielt in der Zeit, in der das Kraftfutter gefressen wird. Parallel lege ich den im Stall verbleibenden Ziegen eine frische Portion Heu vor, so dass auch diese für eine Weile beschäftigt sind.

Und wir suchen uns ein abgeschottetes "Eckchen" im alten Laufstall, eine Sackgassen-Erweiterung, die uns erstmal ausser Sichtkontakt mit der Herde bringt.

Damit kann ich gleich zwei Probleme lösen: Freddie lernt, ohne Sichtkontakt zur Herde mit mir zu arbeiten. Und wir werden für ein paar Tage nicht gemobbt, weil es solange dauert, bis die anderen Ziegen diese Änderung im Ablauf verstanden haben.

Nun spielen wir mit "lass' Dich am Körper anfassen": Kopf, hinter den Ohren, oberer Hals, Widerrist, Rücken, auch Kehle und ein bisschen runter Richtung Brust - das geht recht schnell.

Aber Richtung Hinterschenkel (da soll ja ggfs. mal das Hinterzeug liegen), Richtung Bauch - das geht noch garnicht. Dies sind generell heikle Körperregionen. Am Bauch und auch an den Hinterbeinen würde ein Beutegreifer als erstes zupacken und Freddie's Abwehr macht absolut Sinn.

Ich bleibe in den Grenzen, die er mir erlaubt und taste mich an die heiklen Körperregionen durch Pantomime heran: ich bücke mich Richtung Bauch oder Brust, aber stehe dabei 1-2 Schritte von ihm entfernt. Meine Arme bleiben erstmal am Körper, ich clicke nur, dass er mein Bücken toleriert. Und auch das muss ich die ersten Male noch in viel kleinere Schritte unterteilen: nur ein vorbeugen mit dem Schultergürtel, dann mehr, noch ein bisschen mehr, dann ein richtiges Bücken.

Das gleiche einen halben Schritt näher, noch etwas näher.

Was sich hier so flüssig liest, ist in Wirklichkeit ein Prozess von mehreren Tagen. Denn immer wieder bricht Freddie diese Übung ab, kann es nicht länger aushalten, muss sich bewegen.

Und ich muss immer wieder mit ihm üben, dass es nun ein Handtarget gibt und eine Hand, die das Futter gibt. Über mehrere Tage folgt er nur der Hand, die füttert, ignoriert alles andere und muss sich ganz langsam auf das Handtarget umstellen. Anfänglich ist das ziemlich frustrierend, denn anstelle stehen zu bleiben, kreiselt er um mich herum, weil er der Futterhand auch folgt, wenn ich diese hinter dem Rücken verstecke.

 

Was tun? Ich stelle mich so dicht an eine Wand, dass er nicht mehr hinter mir durch kann. Und - ganz wichtig! - ich clicke sehr viel früher, warte nicht darauf, dass er die Hand berührt, sondern verstärke den Sekundenbruchteil, den er direkt NEBEN mir steht.

Sobald er das verstanden hat, dass nicht die Futterhand, sondern die Hand, die sich, zur Faust geballt, vor seiner Nase befindet, wichtig ist, wechselt seine Fixierung hierauf (und es wird sich später immer wieder zeigen, wenn ich ein anderes Target einführen will, wie stark sich Freddie - aber auch andere Ziegen - auf ein bestimmtes Target fixieren können).

Dann nach ein paar Tagen entdecken die anderen Ziegen unsere stille Ecke und es kommt wieder zu kurzen Mobbing-Attacken. Aber nun ist Freddie stabiler, kennt das Handtarget und kann mir in die hinteren Teile der Winterweide folgen, wohin die anderen Ziegen erstmal noch nicht mitkommen mögen.

So können wir nun "Distanz von der Herde" üben aber Freddie kann jederzeit, wenn es ihm unheimlich wird, wieder näher an die Herde heran gehen.

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