Working Goats Blog

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Das anclickern............. und was ich heute evtl. anders machen würde

Fangen wir mal mit dem Idealzusstand an. Da ist das zu trainierende Tier für die ersten Clickereinheiten hinter einer Barriere - man nennt das in der Clickerterminologie "geschützter Kontakt".

Warum? Bei Training mit Futter wird oft (und zu recht) kritisiert, dass man sich damit bettelnde, aufdringliche Tiere heranzieht. Deswegen wird gleich in den ersten Trainingseinheiten beim Clickertraining der Grundstein dafür gelegt, dass dasTier bei der Arbeit höflich bleiben und man trainiert so lange im geschützten Kontakt, bis das Tier genug Selbstbeherrschung entwickelt und die Regeln des Spieles verstanden hat.

Ich werde übrigens immer wieder im Blog von ClickerSPIELEN schreiben und das mit gutem Grund: Training ist ernsthaft, Spielen macht Spaß. Und Tiere können und wollen Spaß haben. Für sie ist jedes gut gemachte Training eine Bereicherung des Alltags, ein Spiel, in dem Puzzle gelöst und neue Fähigkeiten geübt werden können.

Und auch als Mensch kann man viel mehr aus dem Zusammensein mit dem Tier mitnehmen, wenn man das Training als gemeinsames Spiel und nicht todernste Realität betrachtet (ich gehe da später nochmal detaillierter drauf ein).

Zurück zum Idealfall, der Arbeit im geschützen Kontakt. Damit man so beginnen kann, braucht man entweder die entsprechenden Räumlichkeiten (Box, abtrennbare Stallelemente, Treibgassen, usw) und/oder das Tier muss schon so weit sein, dass man es von A nach B führen kann, ohne ihm Angst oder Stress zu verursachen.

Ich habe weder das eine noch geht das andere. Deswegen ist das anclickern von Freddie suboptimal und ich werde viel Zeit in den Folgewochen damit verbringen,  Verhalten, die sich hierdurch entwickelt haben, in andere Bahnen zu leiten.

Freddie ist gottseidank bereits einigermaßen futterzahm. D.h., er kennt Kraftfutter und aus der Hand gefüttert werden. Bislang hat Futter aber nie ausgereicht, um unter Stress und erschwerten Umständen seine Motivation zur Zusammenarbeit aufrecht zu erhalten. Das ist eines der ersten Dinge, die sich mit dem Clickertraining ändern werden.

Wäre er noch nicht futterzahm, hätte ich als erstes ihn mit der Idee von Futterbelohnung vertraut machen müssen.

So kann ich aber die ersten paar Male darauf aufbauen, dass er in einer entspannten Herdensituation mir aus der Hand fressen kann.

Mit ganz kurzen Trainingseinheiten "lade" ich den Clicker auf. Ich verknüpfe Futterbelohnung mit einem eindeutigen Geräusch. Das kann der typische Knachfrosch-Clicker sein, ich entscheide mich aufgrund meiner Erfahrungen, die ich bereits mit den Ponies gemacht habe, für einen Zungenclick. Das lässt mir beide Hände frei, ist leiser (viele ängstliche Tiere fürchten sich erstmal vor dem lauten Knacken eines mechanischen Clickers) und ich habe meine Zunge immer dabei, so dass ich in jeder trainierbaren Situation ein gewünschtes Verhalten mit einem Click markieren kann.

Warum den Clicker "aufladen"? Weil das Geräusch an sich der Ziege überhaupt nichts sagt. Ich muss erstmal erklären, dass dieser "klock" Laut, den ich nun immer wieder mache, bedeutet, dass Futter (oder etwas anderes, angenehmes) kommt.

Wer erinnert sich noch aus dem Biologieunterricht an Pavlov und seine Hunde? Genau! Im ersten Moment ist das aufladen des Clickers eine sogenannte operante Konditionierung, eine Verknüpfung von Futter mit einem äusseren Reiz (Geräusch).

So, wie wir bei einem Klingeln an der Tür aufspringen, weil Klingeln meistens heisst Paket (tolle Sachen, die man bestellt hat) oder jemand, den wir treffen wollen. Steht da aber häufig ein mißgelaunter Nachbar vor der Tür, der sich darüber aufregt, dass wir wieder mal nicht die Strasse gekehrt haben, wird der Klingelton schnell zu einem Signal für etwas unangenehmes.

Und weil so ein Signal eben sowohl etwas Angenehmes (Futter) als auch etwas Unangenehmes (Stress durch Einfangen, Festhalten) ankündigen kann, wird beim Clicker aufladen erst mal nur Click und Futter miteinander verknüpft.

Ich füttere also Freddie kleinste Mengen Kraftfutter (es muss eine Futterbelohnung sein, für die es sich lohnt, am Spiel teilzunehmen) aus der Hand und clicke kurz bevor ich das Futter anbiete.

Um ihn nicht zu überlasten, nehme ich mir immer nur eine Handvoll Futter mit in den Stall und sobald die Hand leer gefressen ist, mache ich eine kurze Pause, gehe raus, hole neues Futter und mache dann weiter.

Das ist nicht ganz richtig nach Clickertrainingtheorie. Eigentlich soll das Tier nicht schon im voraus wissen, woher das Futter kommt, denn man kann sich so ganz schnell eine Fixierung auf die Futterhand anclicken. Man arbeitet mit einem Futterbeutel und holt das Futter erst aus dem Beutel, nachdem man geclickt hat.

Das passiert übrigens mit Freddie und wird mir in den Folgemonaten einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Aber für den damaligen Ist-Zustand war das die effektivste Lösung.

Wie auch immer, passiert ist passiert und das ist etwas, was ich beim nächsten Mal anders machen würde!

Das Clicker aufladen geht schnell. Schon am ersten Tag, nach dem dritten Durchlauf, macht es Freddie nichts mehr aus, dass er Körperkontakt mit mir hat, um die Hand mit dem Futter drin zu berühren. Er kann sich an mich lehnen, wenn ich die Futterhand so halte, dass er sich etwas verrenken muss, um der Hand zu folgen.

Bis hierhin habe ich ihn mehr oder weniger mit dem Futter nur gelockt und Futter und Zungenclick miteinander verknüpft. Aber das ist einiges mehr, als in den Jahren zuvor mit Futterbestechung möglich war, denn Freddie hat Spaß an diesem Spiel.

Ich lege an diesem Tag am Nachmittag noch ein paar mehr Clickerdurchläufe ein und da kommt Freddie bereits interessiert auf mich zu, wenn ich den Stall betrete.