Working Goats

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Eines der wichtigsten Dinge, die eine Fahrziege können muss, um wirklich vor einer Kutsche gehen zu können (und nicht nur geführterweise eine Kutsche oder einen Karren zu ziehen) ist das freie, selbstbewusste und selbstständige Vorangehen.

 

Nicht jede Ziege lernt das gleich gut, die selbstbewussten, ranghohen Tiere tun sich damit leichter. Und bereits in der Grundausbildung kann man den Grundstein legen, wie eine Ziege sich beim Führen verhalten wird.

 

Trainiert man ausschliesslich, dass sich die Ziege neben oder sogar hinter der Führperson hält, wird es deutlich schwieriger, ihr verständlich zu machen, dass sie nun vorneweg gehen DARF.

 

 

Idealerweise trainiert man das Fahren vom Boden aus mit einer Hilfsperson (wie man es ohne Helfer trainieren kann, s. entsprechender Beitrag). Auch sollte man sich zur Ausrüstung einige Gedanken machen, denn hier kann man sich das eine oder andere Mißgeschick ersparen:

 

- ein gut sitzendes Halfter mit seitlichen Ösen oder Ringen, in die zwei längere Leinen eingeschnallt werden können. Am besten verwendet man dieses Halfter ausschliesslich für das Fahren vom Boden, dies hilft der Ziege zu unterscheiden, welche Übung abgefragt wird. Ein Knotenhalfter eignet sich hierfür nur wenig (es müsste rechts und links der Wangen zusätzliche Seilschlaufen haben)

 

- zwei mittellange "Leinen" = nicht zu schweres Seil, möglichst schmutzabweisend und griffig. Die Länge misst man am besten an der Ziege aus: Ziegenlänge vom Kopf bis zum Schwanz und dann noch ca. 1 bis 1,5m zusätzlich. Die Dicke wählt man so, dass das Seil gut in der Hand liegt, ohne einzuschneiden. Beim Gewicht muss man ggfs. etwas experimentieren. Ein zu leichtes Seil liefert der Ziege überhaupt keine Rückmeldung, dass da "jemand am anderen Ende ist". Zu schweres Seil wirkt störend. Ich empfehle absichtlich zwei getrennte Leinen, weil so ein verheddern der Führperson nicht so schnell vorkommen kann.

 

- ein Bauchgurt mit zwei Führungsösen oder -karabinerhaken, die etwas seitlich von der Wirbelsäule angebracht sind. Durch diese Ösen/Haken führt man die Leinen, dies verhindert, dass die Ziege sich komplett unter den Leinen herauswinden kann.

 

Man kann, wenn  bereits vorhanden, auch schon das Fahrgeschirr anlegen, aber meistens beginnt man mit dem Fahren vom Boden aus ja mit einem jüngeren Tier, das in ein Geschirr erst noch hineinwachsen muss

.

Was muss eine Ziege können, BEVOR man mit dem Fahren vom Boden beginnt?

 

- sich von einer Person am durchhängenden Strick führen lassen: lässt sich die Ziege hinterher ziehen oder stürmt sie nach vorne weg, muss das zuerst verbessert werden.

 

- einer Person frei folgen

 

- anhalten auf Signal

 

- losgehen auf Signal

 

- ein Halfter kennen (nicht nur frei gefolgt sein oder am Halsband geführt worden). Ist das Halfter noch unbekannt, muss die Ziege zuerst damit vertraut gemacht werden.

 

- einem Seilimpuls am Halfter folgen, sich nicht gegen den Strick werfen.

 

- den Bauchgurt kennen und sich damit bewegen können ohne Abwehrverhalten zu zeigen.

 

Aus welchen Teilschritten besteht das Training zum Fahren vom Boden?

 

- Training für den Menschen: mit einem Helfer zusammen arbeiten, Leinen halten, mit den nachschleifenden Leinen gehen üben: bevor man das Training mit der Ziege beginnt, stimmt man sich in Trockenübungen mit dem Helfer auf eine koordinierte Zusammenarbeit ab. Übt den Ablauf, bespricht, wer das Signal zum Losgehen gibt, wer bei welchem Problem die Initiative ergreift, usw.
 

Bevor man die Leinen in's Halfter einhängt und durch die Führungsringe am Bauchgurt zieht, übt man die Handhabung der Leinen "trocken", d.h., ohne Ziege vornedran. Ein menschlicher Helfer nimmt den Platz der Ziege ein, hält die Leinen in jeweils einer Hand. Nun übt man, die Leinen zu halten, ohne daran zu ziehen; mit den nachschleifenden Leinen (niemals aufgewickelt in der Hand halten, Verletzungsgefahr!) zu gehen, ohne auf die Leinenenden zu treten. Richtungsänderungen, anhalten, usw. Die Leinen laufen jeweils AUSSEN an den Beinen vorbei, NIEMALS zwischen den Beinen.

 

Der Helfer darf und soll Rückmeldung geben, wie sich das alles anfühlt, ob zuviel Zug auf den Leinen ist oder er/sie sich verwirrt fühlt. Hier kann man ruhig seiner Phantasie freien Lauf lassen und alles, was einem für das Fahren vom Boden mit der Ziege einfällt, in Ruhe üben, ohne Gefahr zu laufen, die unerfahrene Ziege damit zu verunsichern.

 

- von einer  Person geführt werden, während eine zweite Person hinterhergeht: man kann hier so beginnen, dass in den ersten Trainingseinheiten die Leinen noch nicht eingeschnallt werden. Nur Halfter mit Führstrick und Bauchgurt. Eine Person führt die Ziege, die zweite Person geht hinter der Ziege her. Hier kann man die ersten Male zulassen, dass sich die Ziege kurz umsieht (aber nicht umdreht!), was sich da hinter ihr abspielt. Sobald sie sicher ist, ignoriert man das Umsehen und belohnt/bestärkt ein konzentriertes Mitgehen.

 

- weitergehen, wenn die Position der Hilfsperson sich ändert: auch noch ohne Leinen aber auch schon mit Leinen beginnt man nun damit, dass die Person, die die Ziege führt, ihre Position verändert (in sehr kleinen Schritten): weiter nach hinten Richtung Schulter, Bauch, Schwanz oder auch weiter weg (Strick entsprechend lockerer lassen, damit man nicht versehentlich die Ziege wieder zu sich heran holt.

 

- selbstständig voran gehen, wenn die Hilfsperson nicht mehr mitgeht: dies entwickelt sich aus den vorher gehenden Schritten. Jetzt sind Leinen nötig. Das fällt, wie gesagt, eher unsicheren Ziegen schwer und man kann das anfangs üben nur wenige Schritte vom Stall weg und dann IN RICHTUNG Stall gehen (und den Heimwärtsdrang ausnutzen). Bei diesem Schritt kann man die Ziegen leicht überfordern, daher eher immer ein paar Schritte weniger abfragen (und gründlich belohnen) als diesen einen Schritt zuviel, der damit endet, dass die Ziege stehen bleibt und nicht mehr weiter will.

 

- Tempo halten: das kann man noch mit Hilfsperson trainieren, wird aber deutlich schwerer, sobald die Ziege vorne "alleine" ist. Das gehört mit zu den langwierigeren Trainingsabschnitten, die man immer wieder und in eher kurzen Einheiten üben muss.

 

- geradeaus gehen, nicht im Zickzack (schwierig): eine Führperson gibt der Ziege eine Anlehnung. Sobald diese wegfällt, tendieren viele Tiere erstmal zum zickzack-Gehen. Hier kann man sich behelfen, indem man z.B. entlang eines Wegrandes geht (ACHTUNG! das kann sich so stark verfestigen, dass die Ziege später nicht mehr in der Wegmitte gehen kann). Besser ist es, sich für eine kurze Zeit mit Stangengassen zu behelfen, durch die die Ziege hindurch geht. Sobald man sich dann in die freie Natur begibt, macht es Sinn, das geradeaus gehen in kurzen Einheiten abzufragen und zu belohnen. Man hört auf, solange die Ziege noch geradeaus geht, nicht erst, wenn sie schon wieder in Richtung Wegrand/Gras abgedriftet ist.

 

- Richtungswechsel nach links oder rechts auf Leinensignal: das übt man anfänglich am besten im Stehen und fragt mittels sanftem Zug an einer Leine nach dem Wenden des Kopfes in die Zugrichtung. ACHTUNG! beim späteren Fahren wird die Wendung nicht durch Ziehen an der Leine eingeleitet, sondern durch NACHGEBEN der entgegengesetzten Leine.

Will ich nach rechts abwenden, gebe ich mit der linken Leine etwas nach und behalte die Spannung auf der rechten Leine (NICHT ziehen). Hierdurch gebe ich der Ziege Raum, den Kopf und Hals abzuwenden, sie folgt der rechten Leine in die Wendung. Ist die Wendung fast abgeschlossen, nehme ich mit der linken Leine wieder Kontakt auf.

 

Wendungen übt man am besten um Pylone oder andere Hindernisse herum, die es für die Ziege ersichtlich machen, warum sie nicht geradeaus weitergehen soll.

 

- Richtungswechsel nach links und rechts auf Stimmsignal: das ist schon hohe Schule. Richtungswechsel auf Stimmsignal werden normalerweise gelehrt, indem man auf Kopfhöhe geht und die gewünschte Richtung mittels Körpersignalen, kombiniert mit Stimmsignalen, angibt. Der Vollständigkeit halber erwähne ich es hier, das ist etwas, mit dem man "spielen" kann, wenn Richtungswechsel auf Leinensignal einwandfrei beherrscht werden.

 

Um das Stimmsignal für den Richtungswechsel zu trainieren, geht man wieder zurück zu Pylonen oder anderen Hindernissen. Während man nun das Leinensignal gibt, fügt man das Stimmsignal hinzu. Der korrekte Ablauf ist: neues Signal (Stimmkommando), dann altes Signal (Leinensignal), dann Verhalten.

Bei umgekehrtem Ablauf, also zuerst Leinensignal, dann neues Stimmsignal ist die Verknüpfung mit dem neuen Signal unzuverlässiger.

Ideen für Stimmsignale: kurz, prägnant, sich DEUTLICH UNTERSCHEIDEND. z.B. Hü (Hüst, Har)/Hott, Gee/Haw. WICHTIG! Sich selbst eine Eselsbrücke bauen, welches Stimmsignal für welche Richtung gegeben wird.

 

- Anhalten auf Leinensignal: anzuhalten, wenn Zug auf die Leinen kommt, muss gelernt sein. Die instinktive Reaktion ist, sich gegen den Zug zu wehren. Nachgeben und anhalten übt man daher auch am besten erst mit einer Hilfsperson.

 

- Anhalten auf Stimmsignal: ist ein wichtiger Trainingsschritt und sollte auf jeden Fall gründlich geübt werden, falls ein Leinensignal nicht möglich ist.

 

- Losgehen auf Stimmsignal

 

- Tempounterschiede (langsamer oder schneller werden): die Unterscheidung, ob eine Leinenhilfe stehen bleiben oder langsamer werden bedeutet. Hier kann sich die Ziege auch noch an den Führpersonen orientieren, die ebenfalls langsamer oder schneller gehen.

 

- durch Engstellen hindurch gehen: wichtig für's Fahren, dass die Ziege sich nicht fürchtet, wenn es eng wird. Das kann man üben, indem man durch eng stehende Bäume hindurchgeht, eng an Hecken entlang, Helfer bittet, entgegen zu kommen und den Weg etwas zu versperren, usw.

 

- über Hindernisse gehen

 

- Rückwärts treten auf Leinensignal: nochmal eine Unterscheidung für die Ziege, was Druck auf der Nase bedeutet. Bislang lernte sie: anhalten, langsamer werden. Jetzt kommt rückwärts treten hinzu. Weiter fortgeschritten ist dann rückwärts um eine Kurve treten, was nützlich ist, wenn man die Kutsche später rückwärts von der Ziege rangieren lassen will.

 

- Rückwärts treten auf Stimmsignal: unterstützt das Leinensignal zum rückwärts gehen.

 

Und wenn man vorhat, zwei- oder mehrspännig zu fahren, macht man das ganze mit den anderen Ziegen auch noch. Zuerst einzeln, dann paarweise. Für's paarweise Fahren  vom Boden braucht man dann aber andere Leinen.

 

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