Working Goats

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Gewicht

Wie schwer ist die Kutsche? Hier wirklich möglichst auf eine Waage fahren und sich nicht nur auf Herstellerangaben verlassen. Wenn die Kutsche ungebremst ist, prüfen, ob die Ziege(n) diese aufhalten (=bremsen) können oder ob das Gewicht der Kutsche ihnen die Beine unter dem Rumpf wegzieht.

 

Federung

Wie gut ist die Kutsche gefedert? Passt das zu den Anforderungen, die das befahrene Gelände stellt?

 

Radlager

Wie lagern die Räder? Naben, Kugellager? Die Lager entscheiden über die Rolleigenschaften und machen sich auch bei der Wartung bemerkbar.

 

Wenderadius (Zweiachser)

Wie weit lässt sich die Vorderachse einschlagen? Hat der Aufbau Aussparungen für die Vorderräder? Reiben die Vorderräder bei engen Wendungen am Kutschkörper?
Bei Kutschen, deren Aufbau Aussparungen für die Vorderräder hat - wie kippsicher ist die Kutsche bei extrem möglichem Einschlagen der Vorderachse (testen mit jemand auf dem Bock; manche Kutschen werden in dieser Situation sehr instabil = Unfallrisiko).

 

Bremsen

Hat die Kutsche Bremsen? Brauche ich Bremsen, weil das befahrene Gelände bergig ist? Was für Bremsen wurden verbaut? Wie gut sind diese vom Kutschbock aus zu bedienen? Wie gut, wenn ich nebenher gehen will, sind diese vom Boden aus zu bedienen? Ist die Bremskraft zufriedenstellend? Wie wartungsintensiv, reparaturanfällig sind die Bremsen?

 

Bedient man sich im professionellen Kutschenbau für Pferde, ist die Leistung einer eingebauten Bremse in den meisten Fällen ausreichend (dennoch, mal in der Praxis testen). Kniffliger wird es bei Gefährten, die für Hunde entwickelt wurden oder bei Eigenbauten. Im Hundezugsport kommen oft Bremsen aus dem Radsport zum Einsatz, deren Bremswirkung nicht so effektiv ist.

Wichtig! Die Bremsen sind dazu da, die Kutsche beim bergabfahren zu bremsen, damit sie dem Zugtier/den Zugtieren nicht in die Hacken rollt. Die Bremse ist NICHT dazu da, eine durchgehende Ziege (was selten genug ist) am Weglaufen zu hindern.

Auch der Untergrund hat einen Einfluss auf die Bremsleistung. Nasser Wiesen- oder Naturboden, Matsch, Schnee, Eis, Schotter oder unebene, steinige Wege beeinträchtigen die Bremswirkung negativ und es muss deutlich vorausschauender und defensiver gefahren werden (Stotterbremsen, nicht voll bremsen, da sonst die Räder blockieren und wegrutschen können). Sollte eigentlich vom Autofahren her bekannt sein, aber ich schreibe es lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

 

Verarbeitung/Schweißnähte/Rost/morsche Stellen

Sowohl neue als auch gebrauchte Kutschen gründlich (auch von unten) auf Schwachstellen untersuchen. Wie sehen Schweißnähte aus, wie wurden besonders belastete Stellen verarbeitet? Wie dick ist das verwendete Material? Gerade Billigbauten sind hier kritisch, brechen ggfs. mitten während der Fahrt an kritischen Stellen.

 

Grösse passend für Mensch

Kann ich bequem auf dem Kutschbock sitzen oder muss ich die Beine anziehen oder mit anderweitig verrenken/verbiegen? Wenn ich auf dem Kutschbock sitze, kann ich problemlos über die Ziege(n) hinweg sehen und den Weg/die Strasse vor mir erkennen?

 

Grösse passend für Ziege

Die Kutsche sollte nicht viel breiter als die Breite des Gespanns sein. Das macht das Durchfahren von Engstellen einfacher.

Wie hoch ist der Zugansatzpunkt (da, wo das Ortscheit/Waagscheit/Brake oder, falls direkt über die Schere gezogen wird, die Schere an der Kutsche montiert ist). Je paralleler die Linie zwischen Zugansatzpunkt an der Kutsche und Zugansatzpunkt an Brustblatt oder Kumt zum Boden verläuft, umso weniger Kraft muss die Ziege beim Ziehen aufwenden.

 

"X" ist der Zugansatzpunkt an der Kutsche; "G" der optimale Zugansatzpunkt am Ziegenrumpf (bei einem gut angepassten Einspänner/Einachser verläuft die Schere genau oder so nah wie möglich auf dieser Höhe. Je kleiner der Winkel "a" ist, umso weniger Kraft muss die Ziege aufwenden. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass der Zugansatzpunkt am Kumt oder Brustblatt tiefer gelegt werden darf. Dies auf keinen Fall machen! Wenn, wird der Zugansatzpunkt an der Kutsche verändert. Die Zugansatzpunkte am Geschirr (und alle anderen Abmessungen) müssen den anatomischen Vorgaben der individuellen Ziege gerecht werden und geben vor, welche Maße die Kutsche/Karre haben muss, nicht umgekehrt!

 

 

Scheren/Deichsellänge

Passt die Länge der Schere/Deichsel zur Ziege? Passt die Breite der Schere zur Ziege?

 

Berechnung Deichsellänge

 

 

Berechnung Scherenlänge (die Schere endet am Buggelenk oder sogar am Selett)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Scherenbreite: die Ziege soll bequem zwischen den Scherenästen stehen und Wendungen gehen können, ohne anzustossen. Hier ist besonders auf genug Bewegungsfreiheit im Hüftbereich zu achten. Die Schere darf aber dennoch nicht so breit sein, dass sich die Ziege darin umdrehen oder verkanten könnte. 10 cm mehr als die Rumpfbreite der Ziege ist eine gute Faustregel, wobei die Schere im Bereich des Seletts nicht so breit sein darf, dass sie ggfs. das Selett vom Rumpf wegzieht. Moderne Scheren sind meist schmal bis zu Selett, dann weiter werdend, um den Hüften mehr Platz in den Wendungen zu geben.

 

Wenn unterschiedlich lange Ziegen vorgespannt werden sollen (im Wechsel, nicht zusammen), ist die Anschaffung einer verstellbaren Schere/Deichsel (Länge kann verändert werden) zu überlegen.

 

Wartung

Welche Arbeiten müssen regelmässig durchgeführt werden, um die Kutsche zu warten. Wie gut sind die zu wartenden Teile erreichbar?

 

Für mehr Details  zu den technischen Fragen empfehle ich die "Richtlinien für den Bau und Betrieb pferdebespannter Fahrzeuge" der FN

 

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