Working Goats

Intern

Statistics

Benutzer
2
Beiträge
43
Anzahl Beitragshäufigkeit
66618

Wer mit seiner Ziege packen will, hat es leicht. Ein passender Sattel, eine gute Unterlage, Packtaschen, Halfter oder Halsband - los kann's gehen!

Für denjenigen, der mit seiner Ziege/seinen Ziegen fahren will, wird's komplizierter.

 

Karre oder Kutsche? Einachser oder Zweiachser oder sogar dreirädrig? Einspännig oder mehrspännig? Brustblatt oder Kumt? Fahren oder nebenher gehen? Gebremst oder ungebremst? Eigenbau oder kaufen? Rädergröße, -breite, uvm.

 

All' diese Fragen können auf einer Webseite nicht im Detail abgehandelt werden, ich muss mich auf die wichtigsten Details beschränken.

 

Unterschied Karre vs. Kutsche:

 

Umgangssprachlich werden mit Karren Gefährte bezeichnet, die zum Lastentransport eingesetzt werden. In den meisten Fällen sind die Karren dann auch zweirädrige Einachser mit entsprechend spartanischer Bauform. Oft nur eine Achse, zwei Räder, Schere und eine Ladefläche (evtl. noch mit Seitenwänden). Karren werden  von nur einem Tier gezogen, durch die einzelne Achse ist das Ausbalancieren der Last für zwei vorgespannte Tiere sehr schwierig (hierzu später mehr). Eine Sonderform sind dreirädrige, ungebremste Karren, die überwiegend in flachen Regionen (Benelux-Länder) im Ackerbau eingesetzt wurden. Das dritte Rad erleichtert das Ausbalancieren und macht die Karre manövrierfähiger.

 

Karrentypen:

 

einachsiger Lastenkarren mit oder ohne Seitenwände: auf einer Achse mit zwei Rädern wird eine Ladefläche montiert. Diese kann Seitenwände haben, diese sind aber keine Bedingung. Gezogen wird solch eine Karre von einem einzelnen Zugtier in einer Schere (s. Erläuterung der Kutschenbestandteile), das Ausbalancieren (es darf keine Last auf den Rücken übertragen werden) erfolgt nur durch das Verteilen der Ladung. Im Gegensatz zum Vorderwagen befindet sich bei diesen Lastenkarren die Ladefläche meist ÜBER den Rädern, was der Ladung einen hohen Schwerpunkt gibt. Sehr manövrierfähig.

 

 

zweiachsiger Lastenkarren mit oder ohne Seitenwände: die gleiche, sehr spartanische Bauweise, jedoch mit vier Rädern. Somit ist die Last ausbalanciert. Kann sowohl von einem, als auch mehreren Zugtieren (dann mit Deichsel) gezogen werden.

 

 

Bollerwagen: altbekannt, wird der Bollerwagen oft als Grundlage für einen Karren- oder Kutscheneigenbau für Ziegen herangezogen. Die handelsüblichen Bollerwägen weisen jedoch diverse Eigenschaften auf, die sie als Ziegenkarre/-kutsche eher ungeeignet machen. Dazu gehören das oft geringe Zuladegewicht (max. 50kg, teilweise weniger) und die sehr kleinen Räder,die für schlechte Laufeigenschaften sorgen.

 

Vorderwagen: der Vorderwagen ist eine Neuentwicklung der pferdegezogenen Landwirtschaft und ist im Prinzip eine Achse mit zwei Rädern, einer niedrig angebrachten Plattform, ggfs. einem Sitz und einer Anhängevorrichtung für landwirtschaftliche Geräte. Man kann einen gut ausbalancierten Vorderwagen jedoch wie eine Gig o.ä. fahren oder, in Kombination mit einem kleineren Hänger als besser ausbalancierte Zugvorrichtung nutzen. Der Vorderwagen kann somit eine Doppelfunktion für fahren (eine Person) und Lastentransport (Hänger anhängen) erfüllen.

 

Sonderformen:

 

Stoneboat: in Deutschland kaum noch bekannt, findet das Stoneboat in den USA weiterhin Einsatz. Das Stoneboat zeichnet sich durch einfachste Bauweise aus sowie durch hohe Geländegängigkeit (es ist für den Einsatz auf Naturwegen besser geeignet als auf Strassen oder asphaltierten Wegen). Durch sein Eigengewicht und Bodenhaftung kann es ohne Bremse verwendet werden.

 

Travois: die älteste Zugvorrichtung, die man für leichte Lasten oder zum Zugtraining einsetzen kann. Ein Travois benötigt jedoch eine gut gepolsterte Auflagefläche. Dies kann ein Packsattel sein oder ein stabiler, gepolsterter Bauchgurt. Auch ein gut sitzendes Brustblatt ist nötig.

 

 

Trainkarren: ein schmaler (Pferdebreite), einachsiger Karren, der von der Schweizer Armee zum Lastentransport im Gebirge eingesetzt wurde. Bekommt man fast nur über Gebrauchtverkäufe in Armeeläden. Die grossen Räder laufen neben dem Karrenkörper, was die Manövrierbarkeit etwas einschränkt. Die Laufeigenschaften sind jedoch gut, stabile Bauweise.

 

Eine Kutsche dient dem Personentransport und ist entsprechend komfortabler gebaut. Kutschen wurden und werden sowohl als Einachser als auch als vierrädrige Zweiachser gebaut. Sie haben Federung, können ein- oder mehrspännig gezogen werden (die zweiachsigen Varianten), haben einen Aufbau mit Sitzen, meist auch einen Bock, mit Lehnen und Seitenteilen und oft auch Lagerungsmöglichkeiten für Gepäck. Um als Kutsche bezeichnet zu werden, muss das Gefährt ein Verdecke haben. Ein Gefährt ohne Verdeck, das also offen ist, würde demzufolge als Wagen bezeichnet werden. Ich belasse es aber im weiteren Text bei der simpleren Unterscheidung: Karre - Lastentransport; Kutsche - Personentransport.

 

Der Sulky ist eine Sonderform der Kutsche, er wurde für den Rennfahrsport entwickelt.

 

Eine Auswahl an Kutschentypen:

 

Gig, u.a.: Einachser, wird einspännig gefahren

 

Buggy: gut gefederter, offener, zweiachsiger Wagen, der durch gute Geländetauglichkeit besticht.

 

Wagonette: ein offener, zweiachsiger Wagen. Stabiler gebaut als ein Buggy, somit auch schwerer.

 

Sonderformen:

 

Sulky: Einachser, wird einspännig im Sitzen gefahren. Minimalbauweise mit geringem Gewicht aber auch oft wenig Komfort für den Fahrer.

 

Stehsulky: eine etwas "aufgepeppte" Version eines Vorderwagens (leichtere Bauweise, meistens keine Anhängevorrichtung), bei dem jedoch kein Sitz montiert wird, sondern eine tief gelegene Plattform sowie ein Haltegriff vorne. Man könnte den Stehsulky als eine moderne Version der Streitwagen bezeichnen.

 

Für Ziegen bietet es sich an, bei Verkäufern und Herstellern für Kutschen und Sulky für Mini-Shetties anzufragen.

 

Alternative Gefährte

 

Neben den traditionellen Karren und Kutschen gibt es eine Reihe von Gefährten, die für das Fahren mit Ziegen eingesetzt/umgewandelt werden können. Hier liegt es eher an den Kosten, die man bereit ist, aufzubringen.

 

Hundetrainingswagen, Trike oder Sacco-Cart: Hundetrainingswagen gibt es in unterschiedlichen Gewichts- und Preisklassen. Hier muss ggfs. Deichsel oder Schere nachgerüstet werden oder man trainiert die Ziege, wie Hunde, nur an Zugleinen angespannt, zu ziehen, auf Stimmkommandos zu reagieren und übernimmt das Lenken selbst. Beim Sacco-Cart kann eine Schere nachgerüstet werden.

 

Saddlechariot und Ibex: Sonderbauten eines Stehsulky bzw. dreirädrigen, niedrigen "Karrens" für Rollstuhltransport aus Wales. Hohe Kosten, wird überwiegend für Shetties und Mini-Shetties gebaut.

 

Schneckeline: Sonderbau aus Frankreich für Rollstuhl und Behindertentransport mit Eseln. Ebenfalls teuer. Dorsalanspannung (s. Anspannungsarten)

 

Chalo Sulky: Hunde-Sulky aus USA. Hohe Transportkosten, Dorsalanspannung.

 


Die erste Entscheidung ist "Was will ich? Lastentransport oder Personentransport? Fahren oder nebenher gehen? Wie viele Ziegen will ich einspannen? Lang- oder Kurzstrecken? Gelände oder Strasse/Gehwege?"

 

Lasten oder Personen?

Hier dreht es sich hauptsächlich um den Aufbau. Brauche ich Sitzmöglichkeiten für Passagiere oder will ich nur Lasten transportieren, wie z.B. Weidezaunmaterial, Wasser oder mein Gepäck auf Wandertouren?

 

Fahren oder Führen?

Die Frage, ob ich fahren will = auf dem Wagen/Karren sitzen und mich ziehen lassen oder führen = nebenher gehen, während die Ziege das Gefährt zieht. wirkt sich nicht nur bei der Wahl des Gefährts aus, sondern auch bei der Entscheidung, wie viele Ziegen in vorspannen soll/muss.

Ausgehend von der Faustformel, dass eine Ziege im Dauereinsatz nicht mehr als das 1,5fache des Eigengewichtes ziehen soll, bringt ein durchschnittlicher Erwachsener auf dem Bock, kombiniert mit dem Gewicht des Gefährtes, die Zugkraft einer einzelnen Ziege schon an die Grenze (ausgenommen grosse, starke Böcke oder Kastrate). Das transportieren oder mitführen zusätzlicher Ladung fällt in diesem Fall fast komplett weg.

 

Mehrspännig fahren?

Hört sich leichter an, als es in der Praxis sein kann. Es kann einige Zeit dauern, bis man Ziegen gefunden hat (gerade bei den Kastraten), die nicht nur gelassen nebeneinander arbeiten können sondern sich auch in Grösse, Schrittlänge und Arbeitstempo so ähneln, dass sie harmonisch ziehen können.

 

Lang- oder Kurzstrecken?

Hier sind Federung und Laufeigenschaften der Kutsche zu beachten. Die Federung beeinflusst das Wohlbefinden des Kutschers, die Laufeigenschaften (Grösse der Räder - je grösser, umso leichter läuft die Kutsche, Gewicht, Bremsen, Radlager) das der Ziege(n). Was auf kurzen Strecken u.U. noch abgefangen werden kann, wird bei Langstreckenfahrten zur Belastung von Kutscher und Ziege(n).

 

Gelände oder Strasse?

Auch hier spielen wieder Federung und Laufeigenschaften der Kutsche eine grosse Rolle. Bodenfreiheit (eines der Probleme von Bollerwägen), grosse Räder, gute Federung sind wichtig für Fahrten im Gelände.

 

Bei Fahrten auf der Strasse muss hingegen auf Verkehrssicherheit geachtet werden. Das beinhaltet Bremsen, Sichtbarkeit und Beleuchtung. Die meisten Autofahrer heutzutage können die langsame Geschwindigkeit einer Kutsche nicht mehr einschätzen, Auffahrunfälle sind daher eine hohe Wahrscheinlichkeit. Zur Sicherheit von Fahrer und Zugtieren ist eine fast übertriebene Kennzeichnung nötig (Fähnchen wie an Kinderrädern, Reflektoren, aktive Beleuchtung, usw.).

 


Hersteller und Bezugsquellen Links (Auswahl). Bitte prüfe die Eignung der angebotenen Gefährte für Deine Zwecke selbst, ich übernehme keine Haftung, diese Linkliste soll nur zur Orientierung dienen, was auf dem Markt angeboten wird.

http://www.equistore-allerhop.de/de/

https://www.chalosulky.com/

http://www.rowanoakhorses.co.uk/saddlechariot-bb-and-ibex-mk1.html

http://www.saccowagen.ch/

http://www.dyck-carts.eu/cms/index.php?page=1550924235&f=1&i=1550924235

http://www.sulkybau-towara.de/sites/frame.html

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.